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  • Berlin
  • Wandelwoche Berlin-Brandenburg

Zusammen solidarisch arbeiten

Zum fünften Mal öffnen Berliner und Brandenburger Kollektive ihre Türen für Interessierte.

  • Von Ulrike Kumpe
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Direktkonsummarkt in den Kreuzberger Prinzessinnengärten ist fester Bestandteil der Wandelwoche.
Der Direktkonsummarkt in den Kreuzberger Prinzessinnengärten ist fester Bestandteil der Wandelwoche.

Vom 16. bis 25. August findet die »Wandelwoche – Berlin-Brandenburg – Anders leben, anders arbeiten« statt. Wie ist es ohne Chef zu arbeiten? Warum bieten Kollektive mehr Freiheiten am Arbeitsplatz? Wie ist es, wenn alle den gleichen Lohn bekommen? Projekte und Betriebe öffnen für 10 Tage wieder ihre Türen, um zu zeigen, dass anders zu Wirtschaften als nach kapitalistischen Kriterien funktioniert.

Kollektive, Genossenschaften oder Betriebe der solidarischen Landwirtschaft bieten geführte Touren an. Darüber hinaus gibt es Workshops und Veranstaltungen zu ressourcenschonender Produktion, Energiewende oder Belegschaftsübernahmen. Maria Schmidt von »das kooperativ«, einem Verein zur Förderung solidarischer Selbstverwaltung, organisiert das diesjährige Event maßgeblich. »Das funktioniert nur, weil viele Projekte die Angebote für die Wandelwoche komplett selbst organisieren«, erklärt Schmidt.

Eine der Berliner Fahrradtouren organisiert »Kollektiv Betriebe«, ein Berliner Netzwerk von Kollektiven. Die Tour führt vom Veganladen-Kollektiv Dr. Pogo am Karl-Marx-Platz in Neukölln zum Drittwerk über die Regenbogenfabrik vorbei am Druckereikollektiv Hinkelstein zum Direktkonsum-Markt in den Prinzessinnengärten am Moritzplatz.

Die beteiligten Kollektive freuen sich auf viele Fragen. »Am Liebsten sind uns kritische Fragen«, sagt Andy Wolff. Er arbeitet seit 13 Jahren hauptberuflich im Kollektiv in der Regenbogenfabrik. Der Gebäudekomplex wurde bereits 1981 besetzt. Erst Ende 2011 wurde das Haus in der Lausitzer Straße 22 durch einen Erbbauvertrag wirklich legalisiert. In der Regenbogenfabrik befinden sich Kinderladen, Café, Kantine, Hostel, Holz- und Fahrrad-Selbsthilfewerkstatt und ein Kino- und Veranstaltungssaal. Das Kollektiv besteht aus rund 30 hauptamtlich Tätigen. Doch der Wunsch, Gesellschaft verändern zu wollen ist auch heute noch da. »Wir fungieren aber mehr mit unserem Veranstaltungsbereich als Multiplikator, als das wir das selbst das Beispiel sind«, meint Wolff. »Wir bewegen uns da in einem Zwiespalt. Nicht in allen Bereichen können wir konsequent nachhaltig sein. Das können wir uns einfach nicht leisten.«

Im Zwiespalt bewegt sich auch das jüngste an der Tour beteiligte Kollektiv, der Veganladen Dr. Pogo. Ihr Geschäft eröffneten sie im Januar 2013. Es befindet sich im Neuköllner Ortsteil Rixdorf am Karl-Marx-Platz 24. »Manchmal witzeln wir darüber, dass wir ohne die Kollektivrabatte uns die Preise im Laden selbst nicht leisten können. Viele unserer Kund*innen können das. Sie können auch die Mieten hier im Rixdorfer Kiez bezahlen«, erzählt Niels Hartanto, einer von zwölf Kollektivistas, die hier arbeiten.

In ihrem Geschäft vertreiben sie vor allem Produkte aus lokalen »Manufakturen«, wie Hartanto sie bezeichnet. Sie wollen »kleine, geile Firmen und Kollektive« unterstützen, die mit coolen Produkten überzeugen. »Unsere Lieferantenstruktur ist daher sehr divers. Es sind um die 80.« An der Wandelwoche beteiligen sie sich, weil da einfach mehr Zeit ist, als bei den kurzen Gesprächen an der Kasse. Außerdem wollen sie zeigen, dass solidarisches Wirtschaften funktioniert.

Eine wiederum sehr eigene Geschichte hat das Druckereikollektiv Hinkelstein. Seine Wurzeln liegen in der DDR-Opposition. Auch nach dem Ende der DDR haben sie weitergemacht. Ökologie und sinnvolles Drucken waren für das Kollektiv bereits Anfang der 1990er wichtige Themen. Cora Heitzmann, die bereits seit 25 Jahren hier arbeitet, erzählt von den ökologischen Anfängen: »Als ich damals einen Vortrag bei der Berufsgenossenschaft darüber hielt, dass man Druckmaschinen anders reinigen kann als mit flüchtigen Lösemitteln, da haben mich alle angeguckt, als wäre ich nicht ganz normal. Klima war noch gar kein Thema.«

Für Heitzmann ist die Wandelwoche eine gute Möglichkeit mal wieder über den Tellerrand zu schauen und auch von den Teilnehmer*innen inspiriert zu werden. »Sonst ist man so im Alltagsgeschäft. Die Wandelwoche bietet einfach die Gelegenheit, sich auch mal wieder mit den großen Themen zu beschäftigen.« Das sind für sie anders zu Wirtschaften und Solidarität.

Infos zu allen Veranstaltungen: bbb.wandelwoche.org

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