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Versuchter Mord im Gefängnis

In Oldenburg inhaftierter Salafist greift Justizbeamten an

  • Von Reimar Paul
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Justizbeamter geht über einen langen Flur in der Justizvollzugsanstalt Sehnde
Ein Justizbeamter geht über einen langen Flur in der Justizvollzugsanstalt Sehnde

Der gegenwärtig in Oldenburg inhaftierte deutsche Salafist Sascha L. ist wegen versuchten Mordes und weiterer Delikte angeklagt worden. Er soll einen Justizbediensteten mit metallenen Gabeln attackiert und verletzt haben, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Celle jetzt mit.

Der 28-Jährige verbüßt eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Das Landgericht Braunschweig hatte ihn dazu im Dezember 2017 unter anderem wegen Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt. L. hatte gestanden, dass er Polizisten oder Bundeswehrsoldaten in einen Hinterhalt locken und mit einem selbstgebauten Sprengsatz töten wollte.

Das Material zur Herstellung eines fernzündbaren Sprengsatzes hatte er sich bereits beschafft, einen solchen Sprengsatz auch hergestellt und schon getestet. Nach verübtem Attentat wollte L. Videos veröffentlichen, die ihn bei der Ableistung des Treueschwurs auf Abu Bakr al-Baghdadi zeigen, den Anführer des »Islamischen Staates« (IS).

L. war im Februar 2017 in seiner Wohnung im niedersächsischen Northeim festgenommen worden. Dabei fanden die Ermittler einen Fernzünder, abgesägte Pfandflaschen, hochexplosives Acetonperoxid, Böller, aus denen das Schwarzpulver herausgekratzt worden war, und eine Anleitung zum Bombenbauen.

Der jetzigen Anklage zufolge hat L. am Abend des 13. Februar, maskiert mit einer selbst angefertigten Gesichtshaube mit Sehschlitzen, in seiner Zelle einen Justizvollzugsbeamten mit zwei Speisegabeln angegriffen, um ihn zu töten. Er soll dabei mit den Gabeln »wuchtige Stichbewegungen in Richtung des Halses« des Beamten ausgeführt haben, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft.

Während der Beamte versuchte, vor dem Angriff zu flüchten und den Stationsflur entlanglief, soll ihn L. verfolgt, weitere heftige Stichbewegungen in Richtung des Fliehenden ausgeführt und dabei die Worte »Allahu Akbar« ausgerufen haben. Auch nachdem der Angeschuldigte und der Vollzugsbeamte hinfielen, habe L. weiter auf sein Opfer eingestochen und - wiederum auf arabisch - einem hinzugekommenen Mitgefangenen gesagt, man müsse die »Kuffar« (übersetzt: »Ungläubigen«) töten.

Erst nachdem der andere Häftling L. von dem Beamten weggezogen, sich auf ihn gesetzt und ihm die Gabeln weggenommen habe, soll dieser von seinem Opfer abgelassen haben. Der Beamte erlitt nach Angaben der Ermittlungsbehörde infolge des Angriffs mehrere Riss-und Quetschwunden am Unterarm, Hals und Fingergrundgelenk sowie eine Kniegelenksprellung. Außer wegen versuchten Mordes ist Sascha L. deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung und besonders schweren Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt worden.

Sascha L. war 2014 konvertiert, er sympathisierte im Internet offen mit dem IS. Er begründet das damit, dass bei einer früheren Hausdurchsuchung sein Computer beschlagnahmt worden sei. Später habe er zudem wegen eines im Internet geposteten Videos eine Geldstrafe zahlen sollen. Diese »Ungerechtigkeiten« sowie ein ähnliches Vorgehen gegen andere Muslime hätten ihn zu seinen Anschlagsplänen motiviert. Direkte Verbindungen zum Islamischen Staat konnten L. Allerdings nicht nachgewiesen werden.

Lesen Sie auch den Kommentar von Lotte Laloire: Erst Nazi, dann Islamist, dann Gabel: Eine Erklärung für Lebensläufe wie den von Sascha L.

Vor seiner Zeit als Islamist warnte Sascha L. vor dem »schleichenden Volkstod« sowie vor Muslimen, die in Deutschland »die Scharia durchziehen« wollten. »Ich bin gegen Demokratie, ganz klar Nationalsozialismus«, erklärte L. noch 2013.

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