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Schnee von gestern

Ulrike Henning über eine neue Dimension der menschlichen Naturzerstörung

  • Von Ulrike Henning
  • Lesedauer: 1 Min.

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Schnee wird in unseren Breiten immer seltener, selbst viele Winterferienorte können eine ausreichende Flockenpracht nicht mehr garantieren. Wenn sich der weihnachtlich stimmende Niederschlag dann doch noch alle Jahre mal im Flachland zeigt, wird er in Zukunft vielleicht eher Misstrauen auslösen: Forscher aus Bremerhaven haben in den Eiskristallen einen »substanziellen« Anteil von Mikroplastik gefunden. Keine der untersuchten Proben, welcher Herkunft auch immer, blieb davon verschont. Winterromantiker dürfte das schmerzen, denn klassische Destinationen fallen unter dem Gesichtspunkt »saubere Umwelt« aus dem Reiseplan. Die Alpen sind nicht ausgenommen, wenn es noch teuerer sein darf, auch nicht die Arktis.

Nun könnten sich Optimisten damit trösten, dass die Partikel ja nicht zu sehen sind. Aber die Menschheit ist schon umzingelt. Die Spuren ihres Mülls finden sich in immer mehr Bereichen unserer Umwelt: In der Luft, im Wasser, in Tieren und Lebensmitteln. Macht man sich zudem klar, dass wir den Ausgangsstoff Plastik industriell erst seit dem 20. Jahrhundert nutzen, erscheint die über wenige Jahrzehnte erreichte Verheerung noch gravierender. Eine ländliche Winterlandschaft, alles reinweiß, still und unberührt: Ja, auch das ist Schnee von gestern.

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