Theodor Fontane

Der weltberühmteste Brandenburger

Von Wolfgang Hübner

Brandenburg befindet sich im Wahlkampftaumel. Man merkt es nicht unbedingt am Temperament der Landesinsassen, aber an der Dekoration der Verkehrswege. Sie sehen aus wie das, was im früheren Leben Straße der Besten geheißen hätte - wobei wir bei den heute öffentlich Porträtierten noch längst nicht wissen, ob sie wirklich zu den Besten gehören.

Nur eines steht fest: Sie alle werden es schwer haben, auch nur annähernd an den weltberühmtesten Brandenburger heranzureichen. Sehr schwer. Er ist schon seit mehr als 120 Jahren tot, und niemand weiß, wer sich in weiteren 120 Jahren noch an die heutigen Kandidaten erinnert - sofern es dann noch ein begehbares Brandenburg gibt und das weite Flachland nicht schon vom Klimawandel überflutet wurde.

Der weltberühmteste Brandenburger wäre übrigens ein idealer Werbeträger für den Endspurt im Kampf um Wählerstimmen, und fast alle Parteien würden bei ihm fündig werden. Ideal deshalb, weil er sich nicht mehr wehren kann und weil er neben der märkischen auch die politische Landschaft seiner Zeit durchwandert hat. Erst war er ein feuriger Revolutionär, später verdingte er sich bei einer kreuzkonservativen Postille und beim preußischen Staat, noch später fand er das nicht mehr reputierlich und wandte sich ab.

Weil der weltberühmteste Brandenburger vor 200 Jahren geboren wurde, ist gerade viel von ihm die Rede. Man muss schon sagen: Die Lebensweisheiten, die er auf seine alten Tage in geballter Form aufschrieb, machen ihn zum brandenburgischen Universalknuddelbär wie sonst vielleicht nur noch Fritze Bollmann, Regine Hildebrandt oder Zickenschulze aus Bernau.

Wollte die Linkspartei kurz vor der Landtagswahl noch Punkte machen, dann könnte sie das Bonmot »Alles in der Welt kehrt sich einmal um« plakatieren. Für die SPD empfiehlt sich »Von zwei Übeln wähle das Kleinere«. Den Grünen dürfte »Jedes Zuviel ist von Übel« gefallen. Auf FDP-Plakaten würde »Fleißige Tage sind gute Tage« passen. Obwohl ihr da die CDU zuvorkommen könnte. Wer einfach nur den Serienwahlsieger SPD ärgern möchte, bitte: »Eine Karte, die viermal gewonnen, hat immer die Chance, das fünfte Mal zu verlieren.« Und selbst notorische Wechselwähler finden ihren Sinnspruch: »Alle Menschen sind Wetterfahnen, ein bisschen mehr, ein bisschen weniger.«

Für die AfD möchten wir an dieser Stelle keine Empfehlung geben; das hat der weltberühmteste Brandenburger nicht verdient. Stattdessen versuchen wir in dieser Ausgabe zu erklären, warum sich die politischen Dinge im Lande so entwickelt haben, dass die Brandenburger nun vor einer ziemlich schwierigen Wahl stehen. Das ist, um es auf eine fontaneske Kurzformel zu bringen, ein weites Feld.