Ein Picknick für Europa

Von dem demokratischen Aufbruch der 1990er Jahre ist in Osteuropa wenig übrig geblieben. Das war abzusehen

  • Von Felix Jaitner
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.
Hoffnung Westen. Über Ungarn geflüchtete DDR-Bürger im September 1989 im Notaufnahmelager Vilshofen

Für Angela Merkel ist es nicht mehr und nicht weniger als ein »Weltereignis«. Gemeinsam mit Regierungschef Viktor Orbán gedachte die Bundeskanzlerin am Montag bei einem Gottesdienst der österreichisch-ungarischen Grenzöffnung vor 30 Jahren in Sopron. Damals flüchteten mehr als 600 DDR-Bürger über Österreich nach Westdeutschland.

Heute gilt das Paneuropäische Picknick als Meilenstein auf dem Weg zur deutschen Einheit und der Auflösung des Ostblocks. Noch 2009 sagte der ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das Ereignis stehe für den Anfang vom Ende der Teilung Europas durch den Kalten Krieg. Heute, nur zehn Jahre später, wird dagegen wieder eine wachsende Spaltung Europas konstatiert. Ein Grund ist der Aufstieg von Rechtsregierungen wie in Ungarn.

Doch die Transformation in den 1990er Jahren war keineswegs nur ein demokratischer Aufbruch. Nach Ansicht des französischen Philosophen Étienne Balibar stand sie in ...

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