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Geflüchtete springen ins Meer

Nach fast drei Wochen spitzt sich die Situation auf Rettungsschiff immer weiter zu

  • Lesedauer: 3 Min.

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Mehrere Flüchtende sitzen am Heck des Schiffes «Open Arms» der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms im Mittelmeer vor der Küste Lampedusas.
Mehrere Flüchtende sitzen am Heck des Schiffes «Open Arms» der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms im Mittelmeer vor der Küste Lampedusas.

Rom. Die Lage auf dem spanischen Rettungsschiff »Open Arms« ist nach wochenlangem Tauziehen um einen sicheren Hafen für die Migranten außer Kontrolle geraten. Mehrere Migranten sprangen am Dienstag ins Wasser und versuchten, die einige Hundert Meter entfernt liegende italienische Insel Lampedusa schwimmend zu erreichen.

Zunächst seien neun Menschen ins Meer gesprungen, twitterte die Hilfsorganisation Proactiva Open Arms. Später folgten ihnen fünf nach. Die italienische Küstenwache rettete sie aus den Fluten. Alle seien nach Lampedusa gebracht worden, schrieb die NGO Proactiva Open Arms. Ihr Fazit: »An Bord hat die Situation ihr Limit erreicht«.

An Land seien die Migranten umgehend von Ärzten betreut worden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Das Schiff ist seit fast drei Wochen auf See. Bereits am Wochenende hatten sich mehrere Migranten ins Meer gestürzt, sie waren aber von Helfern zurück aufs Schiff gebracht worden. »18 Tage in einer Eisenkiste eingesperrt, Wasser und Lebensmittel rationiert... Die Situation ähnelt der eines libyschen Lagers, aber in italienischen Hoheitsgewässern«, twitterte Proactiva-Gründer Oscar Camps.

Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles kündigte eine Lösung in den »nächsten Stunden« an. Wie genau diese Lösung aussehen solle, ließ sie offen. Angesichts der humanitären Notlage an Bord dürfe niemand wegschauen, sagte Robles weiter. Der italienische Innenminister Matteo Salvini kümmere sich nicht um Menschenleben, sondern nur um seinen Wahlkampf.

Schon bevor klar war, wie die Lösung Spaniens aussehen wird, teilte Salvini mit: »Spanische NGO, spanisches Schiff, spanischer Hafen: richtig so. Die italienische Kohärenz und die Standhaftigkeit zahlen sich aus, wir sind nicht länger das Flüchtlingslager Europas.«

Obwohl die »Open Arms« seit Tagen direkt vor Lampedusa liegt und sich mehrere EU-Staaten zur Aufnahme der Menschen bereit erklärt hatten, will Salvini die Menschen weiter nicht an Land lassen. »Das, was Salvini im Zusammenhang mit Open Arms macht, ist eine Schande für die gesamte Menschheit«, sagte Robles.

Zeitweise befanden sich rund 160 Migranten an Bord, jedoch waren mehrmals Menschen in prekärem Gesundheitszustand an Land nach Italien oder Malta gebracht worden. Auch durften zuletzt 27 nicht begleitete Jugendliche in Lampedusa an Land gehen. Der rechte Politiker Salvini, der einen extrem harten Kurs in seiner Flüchtlingspolitik fährt, hatte dem aber nur aufgrund des Drucks von Ministerpräsident Giuseppe Conte zugestimmt. Wie viele Migranten am Dienstag noch an Bord verblieben, wurde zunächst nicht bekannt.

Die Regierung in Madrid hatte dem Schiff am Montag den nächstgelegenen spanischen Hafen angeboten - jedoch sah sich die NGO nicht in der Lage, mit der prekären Situation an Bord noch tagelang quer über das Mittelmeer zu fahren. Italien hatte angeboten, die Migranten mit einem Schiff ihrer Küstenwache nach Spanien zu fahren. dpa/nd

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