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Diskriminierende Demokraten

»Berlin-Monitor« zeigt: Juden, Muslime, Arbeitslose und Frauen am häufigsten von Ausgrenzung betroffen

  • Von Julian von Bülow
  • Lesedauer: 2 Min.

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Juden und Jüdinnen, Muslime und Langzeitarbeitslose haben in Berlin am häufigsten mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu kämpfen. Dies geht aus der repräsentativen Studie »Berlin-Monitor« hervor, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Forscher*innen der Universität Leipzig und der Hochschule Magdeburg-Stendal befragten die Berliner*innen in sechs Sprachen hinsichtlich ihrer Vorurteile, insbesondere zu Antisemitismus und dem Verhältnis zur Demokratie.

Die Skepsis gegenüber Politiker*innen scheint unter den rund 2000 Befragten sehr groß. Nur sechs Prozent stimmten zu, Politiker*innen voll zu vertrauen. Dennoch: Eine Diktatur oder Autokratie lehnen rund 86 Prozent ab.

»In Berlin hat man eher den Glauben, selbst etwas bewegen zu können als in anderen Bundesländern«, so der Studienleiter Gert Pickel. Die Quote politischen Engagements sei hoch. Das sehe man auch an den Volksinitiativen der Berliner*innen, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne), der die Studie in Auftrag gegeben hatte. Doch es gebe auch Schattenseiten.

So machen die Studienautor*innen deutlich: »Jüdische Lebenswelten sind plural und Teil der Vielfalt Berlins. Aber das Recht auf Gleichheit und Differenz bleibt für jüdische Berliner*innen eingeschränkt.«

Etwa jede*r zehnte Berliner*in stimmte antisemitischen Aussagen zu oder hielt sie für teilweise wahr, wie etwa: »Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß.« Identifizieren konnten die Forscher*innen als Faktoren, die eine antisemitische Haltung wahrscheinlich machten, insbesondere die Religionszugehörigkeit zum Islam, eine Sympathie für die AfD sowie einen niedrigen Bildungsgrad.

Doch auch Muslime gehören zu den Gruppen, die die Berliner*innen am häufigsten vorverurteilen und beleidigen. 60 Prozent von ihnen sowie 40 Prozent aller Frauen haben Diskriminierungserfahrung. Oft sind Personen von Mehrfachdiskriminierung betroffen, beispielsweise als jüdische Frau oder queerer Muslim.

Behrendt sowie die Landesgleichstellungsbeauftragte Eren Ünsal kündigten an, die Antidiskriminierungs- und Demokratieförderprogramme gemäß der Studienergebnisse anpassen zu wollen. Anfang September gebe es dazu eine Konferenz, auf der konkrete Maßnahmen besprochen würden. Außerdem müsse man die Muslime Berlins stärker erreichen, um Antisemitismus in der Breite zu bekämpfen, so Ünsal. Besonders Sozialkontakte und Teilhabe wirken der Abwertung anderer Menschen entgegen, so die Studienautor*innen.

Die Erhebung des »Berlin-Monitors« soll alle zwei Jahre wiederholt werden, um eine langfristige Entwicklung beobachten zu können. Mit der Studie zu Diskriminierung löst der rot-rot-grüne Senat ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ein.

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