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12.000 Schritte für Brandenburg

Berliner LINKE-Vorsitzende hilft im Nachbarland im Landtagswahlkampf und hält sich dabei gleich noch fit

  • Von Tim Zülch
  • Lesedauer: 3 Min.

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»Ups, das war knapp«, ruft Franziska Schneider. Sie tritt bei der Brandenburger Landtagswahl am 1. September im Wahlkreis 31 für die LINKE an. Erkner, Schöneiche, Neuenhagen, Woltersdorf und Hoppegarten gehören zum Wahlkreis. Schneider hievt ihr Fahrrad wieder hoch, schwingt sich in den Sattel und fährt weiter zum nächsten Briefkasten. Zum Glück sind beim Wegrutschen des Reifens die Postkarten mit ihrem Konterfei nicht heruntergefallen. Sie steckt diese Postkarten in Neuenhagen in zahllose Briefkästen und könnte mit nassen Postkarten wenig anfangen. Das Gras ist noch feucht an diesem Sonntagvormittag.

Am Morgen um 10 Uhr steht sie zusammen mit zwei Helfern unter der offenen Heckklappe eines gelben Transporters. Es regnet einen warmen Landregen. Die drei beugen sich über ihre Mobiltelefone und besprechen die heutige Route. Große Bereiche Neuenhagens sind rot markiert, hier waren sie bereits unterwegs. Wenig später trifft Katina Schubert, die Landesvorsitzende der Berliner Linkspartei, ein. Sie beugt sich mit über die Displays. Nach wie vor steht die kleine Gruppe unter der Heckklappe gedrängt, weil der Regen nicht aufhört. »Ab aufs Dorf« heißt die Idee aus Berlin. Die wahlkämpfenden Landesverbände Thüringen, Sachsen und Brandenburg werden mit »insgesamt bis zu 10 000 Euro« unterstützt, erklärt Katina Schubert. »Wir helfen Landesverbänden mit Geld für Mietwagen, Hotelübernachtungen oder wie heute durch direkte personelle Unterstützung.« Schubert nimmt einen Stapel Postkarten, programmiert ihren Schrittzähler am Handgelenk und läuft los. Drei Gruppen sind für heute gebildet, um Neuenhagen »fertig zu stecken«.

»Die Mitgliedschaft der LINKEN in vielen Kreisen ist älter und nicht mehr so gut zu Fuß. Da unterstützen wir ein bisschen«, erklärt Schubert ihre Motivation. Sie sieht den Einsatz auch als sonntägliches Fitnessprogramm. »Dann muss ich nicht mehr joggen«, sagt sie lachend. Außerdem könne man so Genossen aus Brandenburg persönlich kennenlernen. Franziska Schneider ist derzeit Referentin der Linksfraktion im Landtag. Nun möchte sie als Abgeordnete ins Parlament. Sie will sich dort auch für einen besseren Öffentlichen Personennahverkehr einsetzen. »Querverbindungen fehlen hier komplett. Wenn ich von Neuenhagen nach Erkner fahren möchte und kein Auto habe, muss ich immer über Berlin-Ostkreuz fahren.« Ein Auto hat sie nicht. Sie hat sich aber gerade ein neues Fahrrad angeschafft, mit dem sie beispielsweise die Strecke von Erkner nach Neuenhagen in einer knappen Stunden bewältigen kann.

»Diese Wahlen sind für uns von besonderer Bedeutung«, analysiert Katina Schubert, während sie durch die endlosen Einfamilienhaussiedlungen Neuenhagens von Briefkasten zu Briefkasten marschiert. »Es gibt nach der Europawahl eine schlechte Stimmung in der Partei. Stimmengewinne sind da natürlich auch gut für die Debatte um neue linke Mehrheiten im Bund.« Auf aktuelle Umfragen gebe sie nicht so viel. »Oft sind die Menschen noch unentschieden und entscheiden sich dann doch anders«, weiß die erfahrene Politikerin. Schubert schaut auf ihren Schrittzähler. »Schon fast 12 000 Schritte«, freut sie sich.

Franziska Schneider bleibt vor einem hölzernen Gartenzaun stehen. »Ich überlege, ob sie es wirklich sind«, ruft eine ältere Frau ihr aus dem Garten zu. »Im Vergleich zu den Plakaten haben Sie aber ganz schön abgenommen.« Karin Bieske steht am Zaun und deutet hinter sich: »Mein Hexenhaus«, sagt sie. Es habe sich seit der Wende viel verändert in Neuenhagen. »Westdeutsche Hausfrauen« seien gekommen, auf der Suche »nach dem Paradies«, erzählt Bieske. Nach einer Zeit schwingt sich Franziska Schneider wieder auf ihr Fahrrad. Bieske ruft ihr hinterher: »Und macht was für die Kinder. Aber nicht für die der Reichen!« Schneider nickt. »Machen wir«, ruft sie, während sie in die Pedale tritt.

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