• Politik
  • Stalinismus und Faschismus

Opferdasein kritisch in den Blick nehmen

Die Politikwissenschaftlerin Ljiljana Radonic über osteuropäische Vergangenheitsaufarbeitung

  • Von Felix Jaitner
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Am 23. August gedenkt die EU anlässlich des Molotow-Ribbentrop-Paktes den Opfern von Stalinismus und Nationalsozialismus. Ist diese Gleichsetzung nicht problematisch?

Indem Staatssozialismus und Nationalsozialismus unter dem Begriff »totalitäre Regime« zusammengefasst werden, werden wichtige Unterschiede verschüttet. Denn beim Nationalsozialismus sprechen wir von der industriellen Massenvernichtung durch Vergasung. Zweitens inszenieren sich die osteuropäischen Staaten durch den Gedenktag als bloßes Opfer böser Mächte von außen. Dadurch schiebt man alle Mitverantwortung von sich, Kollaboration mit dem NS-Regime, aber auch die konstituierende Beteiligung an den jeweiligen kommunistischen Parteien und den stalinistischen Verbrechen.

In der Resolution zum »europäischen Gewissen und Totalitarismus« des Europäischen Parlamentes, die die Ausrichtung des Gedenktags fordert, heißt es, die »Einzigartigkeit des Holocaust« müsse anerkann...

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