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Siege, die gefährlich sind

Syrische und russische Truppen kommen beim Kampf gegen die Rebellen in Idlib voran

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: 4 Min.

Chan Schaichun, eine Stadt im Süden der Provinz Idlib, wurde fünf Jahre von Rebellen gehalten. Kürzlich zogen die sich angesichts der Überlegenheit von Baschar al-Assads Truppen zurück. Wichtige Versorgungslinien der Aufständischen wurden gekappt. Für die im letzten großen Rebellengebiet eingeschlossenen Zivilisten wollen die siegreichen Truppen einen Korridor freihalten, damit sie sich in Sicherheit bringen können, bevor der Kessel aufgespalten und endgültig »bereinigt« wird.

Vor allem um diese an den Kämpfen Unbeteiligten zu schützen und Hilfsorganisationen Handlungsfelder zu bieten, hatten sich Russland, Iran und die Türkei mehrfach geeinigt, eine sogenannte Deeskalationszone zu schaffen. Man richtete entsprechende Beobachtungsposten ein. Einer dieser von der türkischen Armee besetzten Posten liegt bei Marat al-Numan südlich von Chan Schaichun. Bei den Angriffen auf die Stadt hatten syrische Kampfjets jüngst mit Bordwaffen gefeuert. Die Granaten seien nur nur 300 Meter neben dem Beobachtungspunkt eingeschlagen. Unter den türkischen Militärs gab es keine Verletzten.

Nur einen Tag vor dieser Attacke war ein gepanzerter türkischer Konvoi, der die Grenze aus Richtung Türkei überwunden hatte und auf dem Weg zu diesem Posten war, von der syrischen Luftwaffe angegriffen worden. Es gab angeblich drei Tote. Damaskus verkündete, man habe die türkischen Eindringlinge gestoppt, der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte: Das Regime in Damaskus »sollte nicht mit dem Feuer spielen.« Assad dagegen warf westlichen Mächten, aber vor allem der Türkei vor, in Idlib Terroristen zu unterstützen, was nicht fern der Wahrheit ist.

Ankara lehnte und lehnt eine Evakuierung des Stützpunktes ab, denn das käme einem Rückzug der türkischen Armee aus dem Süden Idlibs nahe. Insgesamt unterhält die Türkei zwölf solcher Stellungen in der Region. Jeder ist geeignet, als Anlass für eine Front missbraucht zu werden. Die verliefe dann zwischen den von der syrischen Regierung beherrschten Landesteilen und der Mittelmacht Türkei. Die reizt Damaskus auch auf andere Art. In einem Grenzstreifen auf syrischer Seite haben die Türkei und die USA eine »Sicherheitszone« in Betrieb genommen. Auch ein gemeinsames Koordinationszentrum arbeite bereits, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu den türkischen Verteidigungsminister Hulusi Akar. Die Pufferzone richtet sich gegen die kurdische YPG. Die sei ein Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation, sagt Ankara. Für die USA ist die YPG weiter wichtiger Partner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Höchst unklar ist die aktuelle Rolle Russlands, dass natürlich Assad unterstützt. Außenminister Sergej Lawrow bestätigte, dass auch bei Idlib russische Soldaten kämpfen - am Boden. So ein Einsatz von russischen Elitetruppen oder geheimdienstlich gesteuerten Paramilitärs macht Sinn, denn in und um Idlib herum haben sich zahlreiche islamistische Kämpfer verschanzt, die aus früheren Sowjetrepubliken und einigen islamisch geprägten russischen Regionen stammen.

Da deren Rückkehr unerwünscht ist, will Moskau das gleich vor Ort klären. Wohl um das vor der Öffentlichkeit bislang weitgehend verborgene Vorgehen pauschal zu rechtfertigen, warnte Russlands Präsident Wladimir Putin jüngst beim Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron ganz allgemein, dass gerade diese Rebellen eine große Gefahr für verschiedene Regionen der Welt darstellten.

Darüber hinaus ist erstaunlich, wie wenig über russische Operationen in Syrien zu erfahren ist. Sicher ist jedoch, dass Russlands Armee und die Verteidigungsindustrie des Landes den Krieg in Syrien als ein gigantisches Erprobungsfeld genutzt hat.

Während Tests der Luftwaffe und der Marine relativ bekannt sind, gibt es zu den Anstrengungen des Heeres nur wenige Informationen. Im Juni wurde bei einer Messe des russischen Verteidigungsministeriums unter anderem ein unbemanntes Gefechtsfahrzeug vorgestellt, das in Syrien ausführlich erprobt wurde. Das zentrale Forschungsinstitut des Ministeriums bat Kaufinteressierte um Geduld. Man habe einige Schwachstellen erkannt und würde die in den kommenden Jahren Stück für Stück beheben.

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