Der siebte Chef

Personalie

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 2 Min.

Hurra, hurra, Kirill Petrenko ist da! Der neue Chefdirigent der Berliner Philharmoniker hat am Wochenende seinen Einstand gegeben, mit Beethovens neunter Sinfonie. Erst am Freitag in der Philharmonie und dann am Samstag open air und gratis bei bestem Wetter vor dem Brandenburger Tor vor 35 000 Menschen. Alle waren begeistert und Petrenko war sichtlich gerührt. Man rief ihn immer wieder auf die Bühne, wie einen großen Showstar.

Ist er ja auch. Und im Nebenberuf Genie. Oder umgekehrt. Auf jeden Fall Künstler. Und irgendwie auch so etwas wie ein Fußballtrainer. Denn was macht ein Dirigent? »Meine Haupteigenschaft ist, aus den Musikern her᠆auszulocken, was möglich ist«, sagt Christoph Eschenbach im neuen »Zeitmagazin«, er wird der neue Chef des Berliner Konzerthausorchesters. Und am Freitag fragte das RBB-Inforadio Alexander Bader, von Beruf Klarinettist bei den Philharmonikern, ob man die Philharmoniker als »schwierig« bezeichnen könnte? Bader antwortete mit einer Gegenfrage: »Würden Sie Bayern München als schwierig bezeichnen?«

Nur die Besten für die Besten, so wird auch bei Bayern München die Trainerfrage medial inszeniert. Bei den Philharmonikern geht es demokratischer als bei den Fußballprofis zu: Sie dürfen ihren Vorgesetzten wählen. Petrenko kürten sie schon 2015 als Nachfolger von Simon Rattle. Er galt als Außenseiter. Vielleicht mit Nico Kovac vergleichbar (und Rattle mit Carlo Ancelotti). Doch Petrenko , der 1972 im russischen Omsk geboren wurde, war schon beschäftigt - als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper. Man musste auf ihn warten - und hatte das Gefühl, je länger man auf ihn wartete, desto berühmter wurde dieser »Besessene« und »Wundermusiker« (»Süddeutsche Zeitung«, 2016). Der ist endlich in Berlin. »Er trägt jetzt eine ungeheure Verantwortung«, schreibt die »Welt«, als der siebte Chefdirigent der Philharmoniker seit ihrer Gründung 1882. Und was sagte Niko Kovac nach dem 3:0 der Bayern auf Schalke? »Wir haben nichts anbrennen lassen und heute keine Fehler gemacht.«

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