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Klima wandelt den Wald

Forstexperten fordern sofortige und langfristige Hilfen für Deutschlands Baumbestände

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 4 Min.

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Der Kiefernspinner hat diesen Föhrenwald in der Lieberoser Heide (Brandenburg) befallen.
Der Kiefernspinner hat diesen Föhrenwald in der Lieberoser Heide (Brandenburg) befallen.

Ein Plan muss her. Schnell. Es geht um Leben und Tod. Für den deutschen Wald im wörtlichen Sinne. Für die Besitzer mitunter im finanziellen. Viele Forstleute und Waldbesitzer stünden in diesen Tagen »vor den Trümmern jahrelanger Arbeit und dem Engagement von Generationen«, beschreibt Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF) die dramatische Lage. In wenigen Wochen und Monaten hätten »Stürme, Dürre und in der Folge Insekten und andere Organismen ganze Lebenswelten zerstört.« Nicht nur die naturfernen Nadelbaumreinbestände lösten sich auf, sondern auch in den naturnahen Laubwäldern stürben flächenweise die Altbäume, so Dohle.

Am Donnerstag trifft sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit Fachleuten zur Vorbereitung des »Waldgipfels« am 25. September. Am Mittwoch formulierten Forstexperten bereits ihre Forderungen zur Rettung der Wälder. Für den BDF gehe es zunächst darum, Schadensbegrenzung zu betreiben und die Regenerationsfähigkeit der Wälder zu erhalten. Der Verband fordert »eine Art Marshall-Plan« für den Wald und hat seine eigenen Vorstellungen im sogenannten Carlowitz-Plan zusammengefasst. »Frei nach dem Vordenker des Begriffs der Nachhaltigkeit - Hans Carl v. Carlowitz, der vor 306 Jahren auch in einer Katastrophenzeit für den Wald seine Leitlinien niedergeschrieben hat«, so Dohle. Damals war es nicht der menschgemachte Klimawandel, der den Wäldern zusetzte, sondern die gnadenlose Ausbeutung der Holzbestände etwa zur Energiegewinnung.

Unter anderem schlägt der BDF die Wiederbewaldung von Kahlflächen mit einer Milliarde junger Bäume vor, fordert die Verstärkung der »waldbezogenen Klimaforschung«, eine waldfreundliche Jagd, 10 000 zusätzliche Forstleute und die Gründung eines Waldbundesamtes. Insgesamt sollten in den nächsten zehn Jahren mindestens zwei Milliarden Euro aus Bundesmitteln für die Rettungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Klar sei, »dass einige Punkte eine Generationenaufgabe sind und einen langen Atem erfordern. Aber es muss jetzt damit begonnen werden!« dringt der BDF auf ein rasches Handeln.

Auch der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) mahnt zur Eile und einem langen Atem: »Es ist mir sehr wichtig, dass jetzt notwendige Soforthilfemaßnahmen beschlossen werden und gleichzeitig eine langfristige Strategie zur zukunftsfähigen Waldentwicklung auf den Weg gebracht werden,« erklärte am Mittwoch DFWR-Präsident Georg Schirmbeck. Man dürfe sich jetzt nicht in Scheindebatten verlieren. »Der Wald leidet im Klimastress, weil auch wir als Politik und Gesellschaft es in den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft haben, dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen«, so Schirmbeck. Die Politik müsse jetzt ambitioniert für den Klimaschutz handeln und endlich wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen. Die von allen verursachten Klimaveränderungen haben auch für Hans Georg von der Marwitz maßgeblich zum aktuellen Drama beigetragen. Für den Präsidenten des Verbands der privaten Waldeigentümer sei es nun dringlich, beschädigtes Holz rasch zu beseitigen und eine Wiederaufforstung zu starten. Dafür sei von Kosten in Höhe von rund zwei Milliarden Euro auszugehen.

Voll im Gange ist derzeit bereits der Kampf gegen den Borkenkäfer, der sich in den geschwächten und mit Totholz überfüllten Wäldern in bisher unbekanntem Ausmaß ausbreitet und ihnen weiter massiv schädigt. Dabei setzt etwa Sachsen seit dieser Woche auch auf die Bundeswehr. Soldaten und Soldatinnen unterstützten die Waldarbeiter beim Fällen befallener Bäume und Räumungsarbeiten, so das sächsische Umweltministerium. Insgesamt sollen nach Angaben der Bundeswehr in den kommenden Wochen 50 Soldaten zum Einsatz kommen, darunter mehrere Motorsägentrupps.

Wie in Sachsen hat die Borkenkäferplage auch in Nordrhein-Westfalen nach Angaben der Landesregierung schon jetzt ein historisches Ausmaß angenommen. Ihren Höhepunkt aber noch gar nicht erreicht. »Das warme und trockene Wetter befördert aktuell die zweite Borkenkäfergeneration und verschärft die ohnehin dramatische Situation in den Wäldern«, erklärte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Mittwoch nach einem Treffen der »Task Force Käfer«. Das Umweltministerium kläre mit dem Landeskommando Nordrhein-Westfalen der Bundeswehr, welche Kapazitäten und Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden könnten. Mit Agenturen

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