»…Grete war keene Brandstifterin«

Verfilmungen der Fontane-Klassiker

Fontane und die Frauen sind ein ganz eigenes Kapitel. Auch wenn er im Duktus seiner Zeit den einen oder anderen flotten Spruch entäußert – respektlos war er nie. Im Gegenteil, er war ein »Frauenversteher «, ein guter Beobachter, der Konflikte erkannte, »… und gerade dadurch sind sie mir lieb, ich verliebe mich in sie, nicht um ihrer Tugenden, sondern um ihrer Menschlichkeiten, das heißt um ihrer Schwächen und Sünden willen«.

Fontane-Verfilmungen gibt es reichlich, das DDR-Fernsehen hatte sich allerdings seiner Frauenfiguren mit dem Ziel angenommen, ihren emanzipatorischen Gehalt herauszuarbeiten. Gelungen, wie ich finde, weil mit hochkarätigen Schauspielerinnen besetzt, die reichlich Erfahrung in Charakterdarstellungen mitbrachten.

Die DVD-Reihe »Frauenbilder« beginnt mit »Mathilde Möhring«, dargestellt von Renate Krößner, die wie in ihrem berühmtesten Film, »Solo Sunny«, eine durchsetzungsstarke Frau spielt, die ihren Traum von dem ihr angemessenen Leben verwirklichen will. Hier ist es der Aufstieg aus ärmlichen Verhältnissen, den sie mit Hilfe des verträumten Jurastudenten Hugo erreichen will und den sie zur Karriere treibt. »Stine«, gespielt von der immer etwas rätselhaft wirkenden Simone Frost, könnte durch eine Ehe mit einem Grafen der kleinbürgerlichen Enge entkommen, doch die Standesschranken scheinen unüberwindlich.

Als erster großer Frauenroman gilt die Vorlage zu »Melanie von der Straaten«, eine unerhörte Geschichte von einer Frau, die sich von ihrem viel älteren Mann trennt, mit ihrem neuen Partner eine neue Familie gründet und von ihrem Ex-Mann erpresst wird. Großartig Kurt Böwe als peinlicher, weil wurschtiger Berliner Geschäftsmann, ein Typus, der heute noch anzutreffen ist. In »Schach von Wuthenow « hingegen hält ein Offizier dem Spott seiner Kameraden nicht stand, als er sich in die von den Blattern gezeichnete Victoire verliebt und diese heiratet.

Jeder Film mit der großen Brecht-Diseuse Gisela May ist ein Muss, aber die Rolle der »Frau Jenny Treibel« ist ihr wie auf den Leib geschneidert: eine gnadenlose Fabrikantengattin, die ihren luschigen Sohn, gespielt von dem sehr jungen Henry Hübchen, standesgemäß verheiraten will. Nur hat der Sohn schon ein Kind mit dem Dienstmädchen …

»Effi Briest« ist die Geschichte einer Liaison, die eine junge, mit einem älteren Mann verheiratete Frau eher aus Kleinstadtlangeweile heraus beginnt. Jahre später fallen dem betrogenen Ehemann ihre Briefe in die Hand, und nur um der Ehre willen duelliert er sich mit dem Nebenbuhler und lässt sich scheiden. Effi aber verfällt der gesellschaftlichen Ächtung und wird selbst von ihren Eltern verstoßen. Bereits in diesem Film von 1970 zeigt Angelica Domröse ihre Fähigkeit, Frauen zwischen Leichtigkeit und größter Tragik zu spielen, die sie in der »Legende von Paul und Paula«, drei Jahre später gedreht, berühmt machen sollte.

»Die Poggenpuhls« sind ältester und ärmster märkischer Adel, das Jahr 1888 verbringen sie in der Mietskaserne. Die Majorswitwe von Poggenpuhl versucht mühsam den Schein aufrechtzuerhalten, ihre drei Töchter verdienen mit Gelegenheitsarbeiten dazu. Der Sohn soll beim Militär Karriere machen, sie alle aber tragen sich mit Heiratsplänen, um der Armut zu entkommen. Fontane hat den Roman als eine soziologische Charakterstudie einer Klasse im Untergang angelegt, und die Verfilmung hält ordentlich mit. Neben Simone Frost, Ulrich Mühe und Jenny Gröllmann verleiht besonders die Theaterschauspielerin Margit Bendokat als standesbewusste Tochter diesem Kammerspiel eine durchaus intendierte Tragikomik.

Wem das nicht Fontane-Verfilmung genug ist, der greife zur Sammelbox mit »Der Stechlin« in zwei Teilen, »Vor dem Sturm« in sechs Teilen und den »Wanderungen durch die Mark Brandenburg «, sämtlich bundesdeutsche Fernsehinszenierungen mit einem guten Gespür für Details und Stimmung. »Vor dem Sturm« ist die Geschichte einer Ménage-à-trois vor dem Hintergrund der antinapoleonischen Kriege. Die Familie der Stechlins gerät in Wirren, die der zweifach verliebte Junior verursacht. Die »Wanderungen« sind liebevoll und komödiantisch in Szene gesetzt. mps