In dem Monumentalgemälde von Prof. Werner Tübke kann man lesen wie in einem Buch.

800 Jahre Geschichte in drei Tagen

Eine Leserreise zum 30. Jahrestag der Eröffnung des Panoramamuseums Bad Frankenhausen

Von Heidi Diehl

Von Heidi Diehl

Jules Verne reiste in 80 Tagen um die Welt. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können in drei Tagen durch 800 Jahre deutsche Geschichte reisen - von Kaiser Friedrich I., wohl besser bekannt als Barbarossa, über die Bauernaufstände unter Thomas Müntzer, die Klassiker der deutschen Literatur, Goethe und Schiller, bis hin zur Gegenwart. Die spannende Tour führt nach Thüringen, nach Bad Frankenhausen und Weimar. Im Oktober, wenn sich die Natur in ihr farbenprächtigstes Kleid wirft.

Auf dem Weg nach Bad Frankenhausen besuchen Sie zunächst Kaiser Wilhelm I., der seit mehr als 120 Jahren im Kyffhäusergebirge auf dem Areal der ehemaligen Reichsburg Kyffhausen in der Gemarkung von Steinthaleben im thüringischen Kyffhäuserkreis »residiert«, sowie im Untergeschoss des Denkmals, quasi zu seinen Füßen, Kaiser Barbarossa. Wussten Sie übrigens, dass das 1890 bis 1896 errichtete 81 Meter hohe Kyffhäuserdenkmal das dritthöchste nach dem Völkerschlachtdenkmal in Leipzig und dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica ist?

Nachdem Sie dem Weiß- und dem Rotbart Ihre Referenz erwiesen haben, geht es weiter nach Bad Frankenhausen mit seinen zahlreichen historischen Gebäuden, schönen Gassen und Plätzen, die Sie während eines Stadtrundgangs kennenlernen. Dabei kommen Sie auch an der Oberkirche vorbei, deren schiefer Turm mit 4,60 Metern den größten Überhang aller deutschen Türme aufzuweisen hat und damit auch den berühmten schiefen Turm von Pisa (ca. vier Meter Überhang) in den Schatten stellt.

Der zweite Tag Ihrer Zeitreise durch die Jahrhunderte führt Sie nach Weimar, wo Goethe und Schiller enorm große Fußabdrücke hinterlassen haben. Überall in der Stadt trifft man auf die »Literaturpäpste«, wie Sie auf einem geführten Stadtspaziergang »Auf den Spuren der Weimarer Klassiker« feststellen werden. Er führt vorbei an den Wirkungsstätten der Weimarer Dichter und Denker. Außerdem besichtigen Sie den Theaterplatz mit dem bekannten Denkmal des Dichter-Duos, das Deutsche Nationaltheater, das Weimarer Stadtschloss und spazieren durch den Ilmpark mit Goethes Gartenhaus.

Noch ein bisschen weiter zurück in der Geschichte wandeln Sie dann im Weimar-Haus - durch 5000 Jahre Geschichte der Stadt. Alles im Zeitraffer in 30 Minuten durch eine Rundumkulisse mit Wachsfiguren von Madame Tussauds und mit Spezialeffekten, die Sie glauben lassen werden, rasant durch die Zeit zu beamen.

Zurück in der Gegenwart und nach einem entspannenden Mittagessen heißt es dann am Nachmittag wieder: Hineintauchen in Weimars Geschichte. Dabei dürfen Sie sich auf ein besonderes Kleinod freuen, die Anna-Amalia-Bibliothek mit ihrem imposanten Rokokosaal. Vielleicht erinnern Sie sich ja noch an die furchtbare Meldung Anfang September 2004, als die zum UNESCO-Welterbe gehörende Bibliothek von einem schweren Brand in großen Teilen zerstört wurde. Zwar konnten 28 000 Bücher gerettet werden, darunter die Lutherbibel von 1534, doch 50 000 Bände sowie 35 Gemälde aus dem 16. bis 18. Jahrhundert gingen vollständig verloren, und rund 62 000 Bände wurden durch Feuer und Löschwasser zum Teil stark beschädigt. Wenngleich die Verluste nicht zu ersetzen sind, so präsentiert sich die Bibliothek heute wieder in voller Schönheit. Allein, sie zu sehen, ist allemal eine Reise nach Weimar wert.

Mit dem Panoramamuseum auf dem Schlachtberg von Bad Frankenhausen tauchen Sie am dritten Tag der Reise in die Geschichte der Bauernkriege ebenso ein wie in die der DDR. Am 14. September 1989 - anlässlich des 500. Geburtstages von Thomas Müntzer - wurde das schon äußerlich imposante Museum eröffnet. Doch noch imposanter präsentiert es sich von innen mit seinem von Prof. Werner Tübke geschaffenen Monumentalbild über den Bauernkrieg mit dem Titel »Frühbürgerliche Revolution in Deutschland«.

Das gigantische Rundgemälde ist 123 Meter lang und 14 Meter hoch. Mit einer bemalten Fläche von 1722 Quadratmetern gehört es zu den größten Gemälden der Welt. Vier Jahre lang malten Tübke und fünf weitere Maler an dem Monumentalbild - in Schichtarbeit und auch an den Wochenenden. Zu ihnen gehörte Eberhard Lenk, der Sie, liebe Leserinnen und Leser, während der Reise begleiten wird. Er war der Einzige, der von Anfang bis zum Ende an dem Gemälde mitgearbeitet hat. Nutzen Sie die Gelegenheit, und fragen Sie ihm »Löcher in den Bauch«.

Spannendes über die Entstehung der »Hülle« für das Monumentalbild kann Dr. Karlheinz Schlesier erzählen, der ebenfalls zu den Begleitern dieser besonderen Reise gehört. »Bau- und Kunstwerk erscheinen heute als selbstverständliche Einheit, so, als habe ein einheitlicher Wille, ein solches Ziel zu erreichen, an seiner Wiege gestanden«, sagt er. »Nichts scheint erkennen zu lassen, dass es so nicht gewesen ist. Denn zuerst entstand ein Bauwerk ohne die Vision eines Monumentalbildes. Und erst, als das Bauwerk fast fertig errichtet war, wurde es zur baulichen Hülle für das großartige Monumentalbild. Erst zum Abschluss der Bauarbeiten fügten sich beide Entwicklungen wie nahtlos aneinander, es war ein Entwicklungsprozess von fast 20-jähriger Dauer.« Schlesier weiß alles darüber, wie es zu dem Bau- und Kunstwerk auf dem Bad Frankenhausener Schlachtberg kam.

Also, worauf warten Sie noch! Solch einen »Geschichtsunterricht« aus erster Hand werden Sie so schnell nicht wieder bekommen. Und als Sahnehäubchen obendrauf bekommen Sie noch An- und Einsichten in ein wunderschönes Stück Deutschland. Das sollten Sie auf keinen Fall verpassen!