Ein scharfes Stück Heimat

Der 22. nd-Reisetreff führt im Oktober in die heimliche Hauptstadt der Sorben, nach Bautzen

Von Heidi Diehl

Selbst wenn Sie noch nie in Bautzen waren - eines kennen Sie aus der heimlichen Hauptstadt der Sorben garantiert: Bautz’ner Senf. Den berühmten mittelscharfen im Plastiknapf mit dem blauen Deckel! Für die meisten Ostdeutschen ist er Kult, gewissermaßen ein scharfes Stück Heimat. Und ins Heimatland des vermutlich »weltbesten Senfs«, genau dorthin führt im Oktober der 22. nd-Reisetreff.

Vier Tage »Heimatkunde« vom Feinsten dürfen die Teilnehmer erwarten. Mehr als 100 haben sich schon angemeldet. Sollten Sie den »Pflichttermin« der treuen nd-Reisenden bislang noch nicht gebucht haben, dann wird es jetzt wirklich Zeit. Sie würden ansonsten vieles verpassen: lohnenswerte Ausflüge, Gespräche mit nd-Mitarbeitern, Politikern, Sportlern und Künstlern, die traditionelle Reisemesse, um sich schon mal für das nächste Jahr ein paar Ziele auszusuchen, Musik und Tanz - und vor allem ein Wiedersehen mit vielen Bekannten oder die Chance, neue Freundschaften zu schließen.

Fester Ankerplatz des 22. nd-Reisetreffs wird das 1000-jährige Bautzen sein. Hier nehmen Sie Quartier im komfortablen 4-Sterne-Hotel »Best Western Plus« mitten in der Stadt. Am Abend stimmt Sie die bekannte Sängerin und Liedermacherin Barbara Thalheim auf die kommenden drei Tage ein, bevor Sie am nächsten Tag ihre Entdeckungstouren beginnen.

Bautzen präsentiert sich wie aus dem Bilderbuch, hat sich vor allem in den letzten Jahren prächtig herausgeputzt. Davon können Sie sich während einer Rundfahrt am zweiten Besuchstag und auch ganz individuell zu Fuß selbst ein Bild machen.

Lassen Sie sich noch am gleichen Tag auch in das Zittauer Gebirge entführen, eines der kleinsten Mittelgebirge Deutschlands. Ein bisschen sieht es aus wie das Elbsandsteingebirge in verkleinerter Form, doch nur hier sind die traditionellen Umgebindehäuser zu finden, die die Landschaft prägen. Einzigartig ist auch die schmalspurige Dampfeisenbahn, die Sie, gemütlich durchs Gebirge schnaufend, von Oybin nach Zittau bringt. Die 25 000 Einwohner zählende Kreisstadt mit ihrer historischen Altstadt gilt als eine der schönsten Städte Sachsens. Machen Sie sich selbst ein Bild davon. Zurück in Bautzen, wird dieser erlebnisreiche Tag mit einem Besuch im Bautzener Theater abgerundet. Das deutsch-sorbische Volkstheater wird Ihnen »Ganze Kerle« präsentieren, eine Komödie als Ausklang eines erlebnisreichen Tages.

Schon am nächsten Morgen geht es wieder auf Entdeckungstour. Diesmal haben Sie die Qual der Wahl - entweder entscheiden Sie sich für Görlitz, die im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Polen gelegene kulturelle und wirtschaftliche Metropole des schlesischen Teils der Lausitz. Oder sie reisen über Bischofswerda zum Barockschloss Rammenau. Eine leichte Entscheidung wird das sicher nicht, denn beide Touren bieten einmalig schöne Ein- und Ansichten. In Görlitz »buhlen« zahlreiche Kulturdenkmäler aus verschiedenen Epochen und Stilen wie Spätgotik, Renaissance, Barock oder Jugendstil um die Gunst der Besucher und geben der »Perle der Niederlausitz« ihr unverwechselbares Gesicht. Ebenso prachtvoll kommt das Schloss Rammenau daher, ehemaliger Sommersitz von Ernst Ferdinand von Knoch, dem Kammerherrn Augusts des Starken. 1717 erwarb er das Rittergut Rammenau von der in Konkurs geratenen Familie von Seydewitz und begann vier Jahre später mit dem Neubau des Barockschlosses. Dieses soll Johann Christoph Knöffel geplant haben. 1744 allerdings floh Knoch wegen hoher Verschuldung aus Rammenau. Heute kann man hier tagen, feiern und sogar übernachten.

Der Nachmittag ist in bewährter Weise für den Reisemarkt und zahlreiche Gesprächsrunden mit nd-Mitarbeitern und prominenten Gästen reserviert. Zurück von seiner zweijährigen Tour »Vom Nordpol bis (fast) zum Südpol« lässt der Extremsportler Robby Clemens die Reise seines Lebens noch einmal Revue passieren - mit Fotos, Videos und vielen spannenden Geschichten.

Ebenso spannend dürfte die Runde mit der langjährigen nd-Literaturredakteurin Irmtraud Gutschke sein, die ihr neues Buch »Das Versprechen der Kraniche - Reisen in Aitmatows Welt« vorstellt. Weitere Gesprächsrunden wird es zu politischen Themen geben. Wer die Referenten sind, stand bei Redaktionsschluss leider noch nicht fest.

Fest aber steht schon lange, dass zum großen feierlichen Abschlussabend Gregor Weitze wieder mit von der Partie sein wird. Und zwar auf ausdrücklichen Wunsch vieler, die ihn beim 21. nd-Reisetreff oder bei nd-live erlebt haben. Mit seiner Gitarre wird der einfühlsame Sänger Sie wieder bestens unterhalten und viele Lieder zum Mitsingen anstimmen. Wer schon einmal dabei war, weiß, dass er nicht lange bitten muss, ehe alle mit einstimmen.

Jetzt liegt es an Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ob Sie diese besondere Reise mitmachen. Noch bis Ende September haben Sie Zeit, sich zu entscheiden.