»Ich bin ein Afrikaner aus Europa«

Ein Gespräch mit dem Erzähler Mia Couto aus Mosambik über Krieg ohne Ende und den Reiz einer doppelten Identität

  • Von Uwe Stolzmann
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Herr Couto, Sie sind Schriftsteller aus Mosambik, 1955 geboren als Sohn portugiesischer Immigranten in Beira, einer Hafenstadt mit 500 000 Einwohnern. Wenn Sie an das Beira Ihrer Kindheit denken - woran denken Sie?

An das Meer. Zweimal am Tag kam die Flut, und wenn es dann regnete, stieg das Wasser in unsere Straße. Das war meine erste Uhr, am späten Nachmittag: Das Wasser schickte mich nach Hause.

Ihre Mutter stammte aus der portugiesischen Provinz Trás-os-Montes. Und der Vater?

Anfang der 50er Jahre gab es eine große Welle der Kolonisation. Vater und Mutter kamen auch in jener Zeit aus Portugal. Mein Vater kam aus Porto, aus urbanem Milieu, Mittelschicht. Mein Großvater besaß eine Autowerkstatt. Während der Salazar-Diktatur wurde mein Vater verfolgt, er war auch im Gefängnis. Und so flüchtete er. Meine Mutter war die Tochter kleiner Bauern aus einer sehr armen Gegend. Sie hat ihre Eltern nie kennengelernt. Ein Pfarrer ...

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