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Demokratie gefährdet durch demografischen Wandel

Studie führt rassistische Einstellungen auch auf Abwanderung und alternde Bevölkerung zurück

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Abwanderung und eine alternde Bevölkerung sind Experten zufolge eine bislang unterschätzte Gefahr für die Demokratie. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) am Beispiel Thüringens. Vor allem in ländlichen Gebieten des Freistaats, wo eine hohe Abwanderung auf eine alternde Bevölkerung treffe, fühlten sich Menschen oft sozial benachteiligt. Das wiederum führe vermehrt zu demokratieskeptischen und fremdenfeindlichen Einstellungen.

Bislang wurden intolerante Einstellungen in Ostdeutschland oft mit der wirtschaftlichen Situation und der Arbeitslosigkeit erklärt. Die Analyse der Forscherin Katja Salomo zeigt aber für Thüringen, dass sich das Ausmaß fremdenfeindlicher und demokratieskeptischer Einstellungen viel stärker auf Unterschiede in der demografischen Homogenität zurückführen lassen. Damit sind ungünstige aufeinandertreffende Bevölkerungsentwicklungen gemeint wie hohe Abwanderungsraten, eine stark alternde Bevölkerung und ein Überhang von Männern im heiratsfähigen Alter.

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Eine hohe Abwanderung kann sich demnach destabilisierend auf das soziale Geflecht auswirken. Fehlen junge Menschen in Regionen mit stark alternder Bevölkerung, brechen auch Freizeitangebote weg. Männer können sich zurückgelassen fühlen, wenn die Suche nach einer Partnerin durch die demografische Situation vor Ort erschwert ist.

»Mit zunehmender demografischer Homogenität fühlen sich Menschen gegenüber der (städtischen) Mehrheitsgesellschaft benachteiligt und haben Angst, auf die Verliererseite des Lebens zu geraten«, erklärte Salomo. Für Thüringen und andere ostdeutsche Bundesländer sieht die Forscherin daher einen Teufelskreis. Ohne Zuwanderung, besonders in ländliche Gebiete, lasse sich der Bevölkerungsschwund nicht wenden. Die dafür nötige Offenheit gegenüber Zuwanderern werde allerdings immer weniger wahrscheinlich, je ungünstiger die Bevölkerungsentwicklung sei.

Für die Untersuchung wurden Daten des Thüringen-Monitors ausgewertet, einer seit dem Jahr 2000 jährlich stattfindenden repräsentativen Bevölkerungsbefragung zur politischen Kultur in Thüringen. AFP/nd

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