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  • Kultur
  • Berichterstattung über die AfD

Schlecht informiert

Die Blamage von Bettina Schausten im ZDF zeigt, dass man sich für Liveberichte gut informieren muss

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bettina Schausten und Jörg Meuthen (AFD) bei der TV-Runde des ZDF.
Bettina Schausten und Jörg Meuthen (AFD) bei der TV-Runde des ZDF.

Sie ist die größte Herausforderung für TV-Journalisten: Liveberichterstattung. Besonders anspruchsvoll, wenn sie über mehrere Stunden geht, wie zuletzt am Sonntag anlässlich der Landtagswahlen. Kleine Patzer passieren selbst Profis. So weit, so verzeihlich. Keine Nachsicht sollte es aber mit schlecht vorbereiteten Journalisten geben, die mit ihren Interviewpartnern überfordert sind, weil es ihnen schlicht an Sachkenntnis mangelt.

Auf zeit.de beschreibt Mely Kiyak, wie sich Bettina Schausten, immerhin stellvertretende ZDF-Chefredakteurin, in knapp 15 Minuten Wahlsendung aus Sicht all jener blamiert, die nur ein wenig die Entwicklung der AfD verfolgt haben. Schausten fragt Parteichef Jörg Meuthen, ob sich durch das Wahlergebnis die Ausrichtung der Partei geändert habe, weil in Sachsen und Brandenburg Vertreter des sogenannten Flügels tonangebend sind. Meuthen anwortet: »Nein«, die AfD sei »keine radikale und keine extreme Partei«. Schausten entgegnet daraufhin: »Bei Kalbitz würde man die - glaube ich - finden.« Eine vorbereitete Journalistin hätte Meuthen nicht mit einer Frage gekontert, die durch ein »glaube ich« den Zweifel an einer längst bewiesenen Tatsache in sich trägt, sondern den AfD-Chef mit harten Fakten über Kalbitz konfrontiert und gleich noch ein Dutzend rechtsradikale Parteivertreter aufgezählt. »Mit dieser Art des Umgangs mit Neonazismus sind die Demokraten dieses Landes verloren«, schreibt Kiyak.

Beim MDR zeigte sich die Moderatorin Wiebke Binder nicht nur schlecht informiert, der Zuschauer musste zeitweise das Gefühl haben, die Journalistin sei der AfD-PR auf den Leim gegangen. Im Interview mit dem sächsischen CDU-Abgeordneten Marco Wanderwitz fragte Binder, ob eine »stabile Zweierkoalition, eine bürgerliche« nicht auch »theoretisch mit der AfD möglich« wäre. Damit hat die Journalistin »die Selbstdarstellung von Bürgerlichkeit übernommen, Punkt für die Rechtspopulisten«, so Elisa Britzelmeier und Laura Hertreiter auf sueddeutsche.de. Kurz zuvor hatte Binder dem AfD-Politiker Jörg Urban übrigens versichert, es sei auch »Positives« über die Partei berichtet worden. Als müsste sich eine Journalistin gegenüber einer Partei für ihre Berichterstattung rechtfertigen. Zumal es eine bekannte Masche der AfD ist, sich als angebliches Medienopfer zu inszenieren, dessen Positionen zu wenig Aufmerksamkeit bekämen. Was ziemlicher Nonsens ist, wie sich noch am gleichen Abend vielfach zeigte: Parteichef Alexander Gauland saß im ARD-Talk »Anne Will«, der parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann nahm in der »Berliner Runde« Platz.

Matthias Dell zeigt sich auf deutschlandfunk.de verwundert, dass die AfD in keiner Wahlsendung als »rechtsradikal« und »rechtsex-trem« eingeordnet wurde, obwohl Wissenschaftler dies längst tun. »Solange sich exponierte Moderatorinnen verhalten wie Kinder, die das böse Wort nicht aussprechen wollen, weil es dann ja Realität werden würde, solange wird die AfD Wahlerfolge feiern wie gestern.«

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