Robert Mugabe bei einer seiner letzten Reden vor Anhängern der ZANU-PF mitten im Machtkampf im November 2017
Robert Mugabe

»Ikone der Befreiung«

Simbabwes Ex-Präsident Robert Mugabe stirbt mit 95 Jahren.

Von Martin Ling

Geplant hatte Robert Mugabe alles anders: Seine Frau Grace sollte ihm an die Spitze der simbabwischen Regierungspartei ZANU-PF folgen und dann in seine Fußstapfen an der Staatsspitze treten. Nach der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien 1980 war der Befreiungskämpfer Mugabe bis 1987 Ministerpräsident und bis November 2017 Staatspräsident.

Doch dann wurde er im Alter von 93 Jahren im parteiinternen Machtkampf abgesetzt. Die Armee sah ihre Interessen und Pfründe unter dem einstigen Befreiungskämpfer Emmerson Mnangagwa besser gesichert als unter einer Präsidentin Grace Mugabe. Die ZANU-PF schloss sich dieser Einschätzung an. Zuvor hatte Mugabe seinen früheren Vize und Kampfgefährten Mnangagwa auf Betreiben seiner Frau Grace geschasst und damit seinen eigenen Machtverlust eingeleitet.

Den Tod im Exil hatte Robert Mugabe nicht geplant. Er starb in einem Krankenhaus in Singapur, wo er seit April behandelt wurde. Präsident Mnangagwa gab den Tod seines Vorgängers am Freitag auf Twitter bekannt und bekundete seine »äußerste Traurigkeit«. Er würdigte dessen Verdienste im Unabhängigkeitskrieg. Mugabe sei eine »Ikone der Befreiung« und ein Verfechter der afrikanischen Einheit, der sein Leben der Emanzipation seines Volkes gewidmet habe, twitterte er. Mnangagwa brach einen Südafrika-Besuch vorzeitig ab. Dortselbst wurde Mugabe als Freiheitskämpfer gewürdigt. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa nannte Mugabe einen »herausragenden Führer Afrikas«, der den Kampf gegen die Apartheid in Südafrika stark unterstützt habe. »Wir senken unsere Köpfe zu seinem Gedenken«, sagte er. »Wir werden ihm immer dankbar sein.«

In Simbabwe twitterte der oppositionelle Senator David Coltart hingegen, das Erbe Mugabes sei »Gewalt, Missachtung der Rechtsstaatlichkeit, Korruption und Machtmissbrauch«. In der Tat hinterließ Mugabe nach einem starken Beginn ein desaströses Erbe. Nach der Unabhängigkeit 1980 florierte anfangs die Landwirtschaft, das Gesundheits- und das Bildungssystem waren vorbildlich. Die Kehrseite der sozialen Erfolge waren hohe Ausgaben, die nicht durch Einnahmen gedeckt waren. In Kombination mit zahlreichen Subventionen entwickelte sich trotz hoher Exportüberschüsse schnell ein anhaltendes Staatshaushaltsdefizit.

1990 unterwarf sich Simbabwe einem ökonomischen Strukturanpassungsprogramm mit massivem Subventionsabbau, Wiedereinführung von Schulgebühren und der Privatisierung staatlicher Unternehmen. Bei der Ausarbeitung half der Internationale Währungsfonds. Das Strukturanpassungsprogramm markierte den Endpunkt der Wohlfahrtspolitik Mugabes. Die Bevölkerung reagierte mit wachsender Indifferenz gegenüber der ZANU-PF und Mugabe. Die Wahlbeteiligung sank.

Die sich verschlechternde ökonomische Situation führte 1999 zur Gründung der ersten ernstzunehmenden Oppositionspartei, der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC). Eine sogenannte Landreform, eine chaotische Umverteilung des durch die Enteignung weißer Großfarmer akquirierten Farmlandes an Kleinbauern, ermöglichte der ZANU-PF und Mugabe zwar nochmals Wahlerfolge, beraubte das Land aber des Großteils seiner Deviseneinnahmen. Die Folge war ein wirtschaftlicher Zusammenbruch mit einer unvorstellbaren Inflationsrate von 250 Millionen Prozent im Jahre 2008. Millionen Simbabwer verließen das Land auf Suche nach Arbeit und Perspektiven.

Bei den Wahlen 2008 verlor die ZANU-PF erstmals nach 28 Jahren ihre Parlamentsmehrheit gegen eine inzwischen gespaltene MDC. Mugabe hielt sich mit einem »Teile-und-herrsche-System« weiter an der Macht. Bis er 2017 der Fehleinschätzung unterlag, seinen getreuen Gefolgsmann Mnangagwa opfern zu können. Doch der Politiker mit dem Spitznamen »Krokodil« schnappte zurück und fand jetzt warme Worte.