E-Tretroller

Schrott, rollend wie stehend

Stephan Fischer über den Ärger über E-Roller in Städten

Von Stephan Fischer

Rund 20 000 »Trotinettes«, elektrische Roller, von unterschiedlichen Anbietern, gibt es in Paris. Eines ist ihnen gemein - sie gehen vielen Bürgern auf die Nerven. Und zwar gewaltig. Und dies nicht, weil die Pariserinnen und Pariser zurückgebliebene Technik- und Fortschrittsfeinde sind, sondern weil die E-Roller zu einem konkreten Ärgernis geworden sind. Was falsch läuft, lässt sich sehr gut daran ablesen, was mit ihnen alles verboten ist: Sie dürfen nicht auf Gehwegen abgestellt werden, es droht ein Strafgeld von 35 Euro. Auf dem Bürgersteig darf nicht gefahren werden.

Verbote ohne Kontrolle und Sanktionen haben vor allem im großstädtischen Raum oftmals nur noch Empfehlungscharakter, um es freundlich auszudrücken. Drastisch formuliert: Ein entscheidender Teil der Nutzer sowie die Plattformfirmen scheren sich anscheinend einen Dreck um diese Regeln und frönen einem rücksichtslosen Individualismus - nach mir die Rollerflut. Und so ist auch die Drastik der Pariser Bürgermeisterin zu verstehen, die falsch abgestellte Roller wie »Sperrmüll« behandeln möchte. Es ist Notwehr im Namen der Bürger. Notwehr ist ein großes Wort - aber es ist nicht übertrieben. Die Verärgerung und die heftige Reaktion auf die Roller hat noch andere Ursachen. Es ist das fragwürdige Totschlagargument, die Roller wären umweltfreundlich und Teil einer Mobilitätswende: Die Ökobilanz ist dürftig, die Akkus Sondermüll, es werden Strecken mit ihnen zurückgelegt, die vorher zu Fuß gegangen wurden. Und es ist auch die sichtbar werdende Dreistigkeit, mit der plattformkapitalistische Firmen den öffentlichen Raum physisch in Beschlag nehmen - die Roller buchstäblich in ihnen auskippen -, ohne dass ihnen von den Kommunen wirksam etwas entgegensetzt wird: Die Stadt soll für ihre Bewohner mehr als ein Spielplatz oder eine »Sharing-Spielwiese« für »smarte Investoren« sein.