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Auf der Suche nach Deponien für Atommüll

Beim Atomausstieg fallen riesige Mengen Bauschutt an, die auf Deponien verfrachtet werden müssen.

  • Von Dieter Hanisch
  • Lesedauer: 3 Min.

In den nächsten Jahren steht in Schleswig-Holstein der Abriss der stillgelegten Atomkraftwerke in Brunsbüttel und Krümmel an. Seit Langem wird Ausschau nach geeigneten Standorten für die Lagerung von nicht recycelbarem Bauschutt, Isolierungen und Dämmmaterial gehalten, bei denen der gesetzliche Grenzwert radioaktiver Strahlung von maximal zehn Mikrosievert pro Kalenderjahr nicht überschritten wird. Laut Schätzungen dürften in den kommenden 15 Jahren 30 000 bis 50 000 Tonnen Restmüll anfallen.

Da waren’s nur noch vier Standorte

Ursprünglich waren im nördlichsten Bundesland sieben Deponiestandorte im Gespräch. Nach einem Gutachten vom TÜV-Nord, dessen Ergebnisse Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Montag in Kiel vorstellte, scheiden drei nun aus. Diese würden in Kürze an ihre Kapazitätsgrenze stoßen, sagte Albrecht. Dabei handelt es sich um Orte, in denen es breite Bürgerproteste gegen die Pläne gegeben hat, obwohl Albrecht wie auch sein Vorgänger und Parteifreund Robert Habeck immer unterstrichen, dass von dem Restmüll keinerlei Gefahr für die Bevölkerung ausgehe. Die Radioaktivitätswerte würden unterhalb der natürlichen Strahlung etwa im Schwarzwald oder bei einem Transatlantikflug liegen. Atomkraftkritiker halten den Grenzwert allerdings für zu hoch und nicht mehr zeitgemäß.

Laut dem Umweltminister können nun die noch infrage kommenden Deponiebetreiber in Harrislee nahe der dänischen Grenze sowie in Lübeck, Johannistal bei Heiligenhafen und Wiershop bei Geesthacht mit den verantwortlichen AKW-Betreibern Verträge über die Abnahme der anfallenden Restmüllmengen aushandeln. Das Ministerium will dabei mit einer Begleitgruppe moderieren. Ob die Verhandlungen schlussendlich auf einen Standort oder mehrere hinauslaufen, sei keineswegs festgelegt, sagte Albrecht. Er setze auf Dialogbereitschaft.

Breiter Widerstand in Harrislee

Lübeck hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft für die Lagerung signalisiert. In Wiershop will man höchstens Müll aus dem nahe gelegenen AKW Krümmel aufnehmen. Ganz anders die Stimmungslage in Harrislee, wo es großen Widerstand einer Bürgerinitiative und parteiübergreifend von der Kommunalpolitik gibt. Sollte es keine Einigung über die Deponierung geben, erlaubt das Kreislaufwirtschaftsgesetz eine Zuweisung durch das Ministerium. Mit solch einer Drohung hält sich Albrecht aber bislang zurück.

Der Minister machte indes deutlich, dass er strikt gegen einen Export der minimal kontaminierten AKW-Abfälle in Nachbarbundesländer oder ins Ausland nach dem Sankt-Florians-Prinzip ist. Nicht nachahmenswert sei das Beispiel Niedersachsens, das seinen Schutt nach Sachsen-Anhalt liefert. Zumindest die CDU weiß Albrecht in der Dreierkoalition mit der FDP in Kiel dabei hinter sich.

Deutlichen Widerspruch erntete die vorgelegte Expertise vom Umweltverband BUND. So würden mit Harrislee und Johannistal zwei Standorte eine mindere Abdichtung aufweisen. Rainer Guschel vom BUND-Landesvorstand kritisierte, dass die TÜV-Untersuchungen offenbar nicht sorgfältig genug erfolgt seien. Viele Fragen etwa zu Sickerwasser und anderen Einleitungen ins Grundwasser seien unbeantwortet geblieben.

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