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Leere statt Lehre

An Grundschulen wird der Lehrermangel noch größer ausfallen als bisher angenommen

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 3 Min.

Schlimmer geht immer. Irgendwie bekommt man den Eindruck, dies wäre eine durchaus passende Zusammenfassung für die sich höher und höher türmenden Schulden der vergangenen und heutigen politischen Entscheidungsträger bei den Kindern von heute und morgen. In der Bildungspolitik etwa: Laut einer Studie auf Grundlage neuester Zahlen des Statistischen Bundesamtes kommt die Bertelsmann-Stiftung zu dem Schluss, dass »der Lehrermangel im kommenden Jahrzehnt noch größer als erwartet« ausfällt. Bis zum Jahr 2025 werden demnach 11 000 Grundschullehrkräfte mehr fehlen als bisher von der Kultusministerkonferenz angenommen - statt 15 300, wie im Herbst vergangenen Jahres prognostiziert, sollen den Bertelsmann-Angaben zufolge mindestens 26 300 Absolventen für das Grundschullehramt fehlen.

Die Lücke sei dabei auf einen stärkeren Anstieg der Schülerzahlen zurückzuführen. Die Kultusministerkonferenz sei von einer Zahl von 3,064 Millionen Schülern im Grundschulalter ausgegangen; die Schülerzahlenprognose anhand der aktuellen Bevölkerungsvorausschätzung zeige jedoch, »dass die Zahl der Grundschulkinder rund 3,232 Millionen betragen dürfte«. Also rund 168 000 Schüler mehr. Auch im Jahr 2030 werde die Schülerzahl höher liegen als von der Kultusministerkonferenz erwartet - statt mit 3,019 Millionen müsse mit 3,181 Millionen angehenden Schulkindern gerechnet werden. »Wenn es bis 2025 nicht gelingt, die bis dahin entstandene Lehrkräftelücke zu schließen, droht der Lehrermangel bis 2030 fortzubestehen«, so die Stiftung. Denn einem bisher angenommenen Absolventenüberschuss von 6750 Grundschullehrkräften für die Jahre 2026 bis 2030 stehe »nach den jetzigen Berechnungen nämlich ein zusätzlicher Bedarf von 10 600 Lehrkräften entgegen«, hieß es weiter. »Schulpolitische Ambitionen wie der Ganztagsschulausbau« seien dabei noch gar nicht berücksichtigt worden.

Um kurzfristig entgegenzusteuern, fordert die Stiftung ein Maßnahmenpaket, unter anderem »die Qualifizierung von Personen ohne Lehramtsbefähigung für die Grundschule«. Neben Gymnasiallehrkräften seien dies Quereinsteiger, »also Personen mit Fachstudium, aber ohne Lehramtsabschluss«. Auch sollten angehende Ruheständler »ermuntert werden, länger zu unterrichten«.

»Auch unsere aktuellen Zahlen zeigen, dass der Bedarf an Grundschullehrern größer ist als zunächst angenommen«, erklärte ein Sprecher der Kultusministerkonferenz in Berlin dem Evangelischen Pressedienst. Das werde sich auch in den Berichten niederschlagen, welche die Kultusministerkonferenz noch in diesem Jahr veröffentlichen werde. Die Länder reagierten bereits mit Änderungen der Schulorganisation und Seiteneinsteigerprogrammen auf die aktuellen Entwicklungen. Ebenso würden Maßnahmen zur Steigerung der Zahl der Lehramtsstudierenden und der Attraktivität des Berufs vorangetrieben. Diese Maßnahmen benötigten jedoch Zeit, sagte der Sprecher.

Für die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Birke Bull-Bischoff, litten die Grundschulen »unter den fatalen Folgen früherer verfehlter Personalkalkulationen«. Der sich dramatisch verschärfende Lehrkräftemangel lasse sich nur gesamtstaatlich lösen. Bund, Länder und Kommunen müssten enger zusammenarbeiten, »um zügig kurz-, mittel- und langfristige Lösungen zu finden«. So brauche es etwa Qualifizierungsprogramme für Quereinsteiger sowie Anreize für Hochschulen, mehr Studienplätze zu schaffen und Lehrkräfte für den ländlichen Raum zu gewinnen. Bull-Bischoff kritisiert auch die Zugangshürde für das Grundschullehramt in Form des Numerus clausus.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert unter anderem, den Numerus clausus (NC) abzuschaffen sowie die Zahl der Studien- und Lehramtsanwärterplätze deutlich auszubauen. »Statt eine Ausbildungsoffensive zu starten, gibt es in einigen Bundesländern immer noch einen NC für das Grundschullehramt«, so GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Zudem seien die Abbruchquoten in der ersten und zweiten Phase der Ausbildung zu hoch. Hierfür müssten die Ursachen geklärt und dann die Rahmenbedingungen verbessert werden, erklärte Tepe.

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