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Mit Schreiber reden?

Der Journalist Georg Restle lud eine AfD-Aussteigerin ins Studio. Darüber, ob das ein Fehler war, wird gestritten.

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 4 Min.

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Franziska Schreiber ist aus AfD ausgestiegen. Einige kommen ihr immer noch mit der Nazikeule. Zu Unrecht?
Franziska Schreiber ist aus AfD ausgestiegen. Einige kommen ihr immer noch mit der Nazikeule. Zu Unrecht?

Georg Restle ist einer der gradlinigsten Journalisten in Deutschland. Wo andere die AfD als bürgerlich bezeichnen, benennt er die rechtsextreme Gefahr – und wird dafür angefeindet und bedroht. Von Rechten, die ihm postalisch auch mal den Tod wünschen. Weil er in einem neuen Video mit einer AfD-Aussteigerin plaudert, gibt es nun Kritik von Linken.

StudioM heißt das neue Format der Sendung Monitor auf Youtube. Thema der ersten Folge: Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg. Per Videoschalte unterhielt sich Monitor-Chef Restle mit dem Chefredakteur der Freien Presse in Chemnitz, Torsten Kleditzsch, dem Politikwissenschaftler Hajo Funke und dem Bürgermeister vom Golzow (Brandenburg), Frank Schütz. In einem karg eingerichteten Studio dazu geladen: Franziska Schreiber. Die war einst Vorstandsmitglied der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD. Inzwischen warnt sie in ihrem Aussteigerbuch »Inside AfD« vor der Rechtsaußenpartei. Ganz gelöst von der Ideologie hat sie sich jedoch nicht, kritisieren Experten. Im Auftrag von FUNK produziert Schreiber Youtube-Videos mit schrillen Titeln: »Politische Korrektheit? Oft übertrieben!« heißt eins. Ein anderes: »Warum Feminismus peinlich und nutzlos ist!« Warum lud Monitor sie trotzdem ein?

»Wir haben nicht alle Videos von Franziska Schreiber gesehen. Vieles von dem, was sie dort vertritt, wird von uns nicht geteilt«, schreibt Monitor auf »nd«-Nachfrage. Innerhalb der Redaktion sei kontrovers darüber diskutiert worden, ob Schreiber eingeladen werden sollte. Am Ende hat sich die Redaktion für sie entschieden, weil mir ihr eine ehemalige AfD-Insiderin befragt werden konnte, die insbesondere den brandenburgischen AfD-Spitzenkandidaten Andreas Kalbitz gut kenne und ihn kritisch beurteilen könne.

Schreiber selber äußert sich gegenüber »nd« ähnlich. Auf die Frage, worin der Mehrwert ihres Auftrittes bestand, antwortete sie: »Durch meinen Beitrag konnte ich die Außensicht der Experten durch meine persönlichen Erfahrungen in der AfD ergänzen.« Die kritischen Kommentare von Linken würden sich häufig nur auf ihre AfD-Vergangenheit beziehen, so Schreiber.

Tatsächlich wird Schreiber vorgeworfen, sie sei nicht glaubhaft aus der Szene ausgestiegen. Twitter-User widmen ihr ganze Threads (zum Beispiel hier und hier), in denen sie ihre rechte Einstellung thematisieren.

Der Rechtsextremismusforscher David Begrich schreibt über sie: »In der öffentlichen Debatte wird es Franziska Schreiber nicht schwer haben, als authentische Aussteigerin in alle Talkrunden eingeladen zu werden. Doch Schreiber ist keine Aussteigerin. Sie hat sich – aus nachvollziehbaren Gründen – zurückgezogen. Das ist ein Unterschied.« Begrich unterstellt ihr, die Wechselwirkung zwischen neurechten Netzwerken und der AfD weder überblicken noch politisch einordnen zu können. Sie glaube, der burschenschaftlich-rechtsextreme Teil der AfD sei wie Aliens auf dem Planeten AfD gelandet. Schreiber bewundere Petry ungebrochen, meint Begrich. Sie sei deshalb nicht in der Lage zu verstehen, welchen Anteil Petry an der Rechtsverschiebung der AfD hätte.

Ob eine Gefahr darin besteht, dass Frau Schreiber möglicherweise nicht aus der rechten Ideologie ausgestiegen sein könnte, vermöge man nicht zu beurteilen, erklärt die Monitor-Redaktion dem »nd«. Aber: »In der Vergangenheit und auch bei StudioM hat sie sich jedenfalls glaubhaft und sehr deutlich von extremistischen Positionen in der AfD distanziert.«

Letztlich wird es der Redaktion darum gegangen sein, mithilfe Schreibers Youtube-Prominenz ein neues, junges Publikum anzusprechen. Das ist durchaus löblich. Ob nun aber gerade Schreiber die richtige Vermittlerin ist, darf bezweifelt werden.

Es sei nun mal in der Natur von Aussteigern, dass sie eine Vergangenheit haben, auf die sie nicht stolz sein können, meint Schreiber. Das ist durchaus richtig. Und die Frau ist bestimmt keine Rechtsradikale. Hinter ihren provokanten Videotiteln verstecken sich durchaus differenziertere Analysen, als es die Satzzeichen und Großschreibungen erwarten lassen. Ihre Positionen zum »modernen« Feminismus etwa könnten auch in konservativen Medien wie »WELT«, »FAZ« oder »NZZ« stehen. Dass aber genau dies Teil des Problems ist, das Journalisten versuchen, mit »Rechtsruck der Gesellschaft« zu beschreiben, weiß Georg Restle eigentlich genau.

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