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Deutschland strahlt weiter

In seinem Uran-Atlas kritisiert der BUND die unterschätzte Gefahr von Uranabbau und -nutzung

  • Von Alina Leimbach
  • Lesedauer: 3 Min.

Atomkraft für das Klima? Eine solche Aussage der Fridays-For-Future-Aktivistin Greta Thunberg hatte Anfang des Jahres für Aufsehen gesorgt. Thunberg hatte damals in einem Post auf Facebook geschrieben, Nuklearenergie könne »ein kleiner Teil einer sehr großen neuen kohlenstofffreien Energielösung« sein. Zwar zog sie die Aussage nach massiver Kritik wenig später wieder zurück. Doch das Statement steht nun im Raum.

»Die jüngere Generation der Klimaaktivisten haben die Debatte um die Atomkraft gar nicht mehr kennengelernt«, sagte BUND-Atomexperte Thorben Becker auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin. In Deutschland sei mit dem Ausstieg aus der Atomkraft die öffentliche Debatte über das Thema zum Erliegen gekommen.

Der BUND will das Thema nun wieder auf die öffentliche Agenda bringen. Am Mittwoch stellte er seinen Uran-Atlas vor, der einen Überblick über die schwerwiegenden Folgen des Uranabbaus, die größten wirtschaftlichen Player und auch über die ungeklärte Endlagerfrage bietet. Erarbeitet wurde der Atlas gemeinsam mit der Nuclear Free Foundation und der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Das Problem mit dem Uran: Es ist sehr gefährlich - und zwar nicht erst, wenn es im AKW landet, sondern schon im Abbau. »Uran ist das einzige Element, das schon im Rohzustand zerfällt, weil es so instabil ist. Wenn Uran gefördert wird, bleiben also tonnenweise radioaktive Spaltprodukte vor Ort für Jahrmillionen«, sagte der Projektleiter des Uran-Atlas, Horst Hamm von der Nuclear Free Foundation. Die Halbwertszeit von Uran betrage viereinhalb Millionen Jahre. »Die strahlenden Reste werden teilweise noch weiterverarbeitet, zu Straßen zu Häusern. Dann hat man strahlende Gebiete.«

Abgebaut wird Uran heutzutage dennoch weiter. Vor allem in Gebieten des globalen Südens. »Besonders oft sind die Lebensorte von indigenen Menschen betroffen«, kritisiert Hamm. Der Uranabbau könne nicht losgelöst von kolonialen Kontinuitäten betrachtet werden, betont auch der Atlas. »Niger ist heute der größte afrikanische Uranproduzent. Doch das arme Land hat davon nichts, außer tonnenweise radioaktiv verseuchtem Schlamm und Boden«, so Hamm. Der derzeit weltweit größte Produzent von Uran ist Kasachstan, ein autoritäres Regime.

Doch auch in Industrienationen gab und gibt es teilweise bis heute Uranabbau. Auch vor der Haustür auf dem damaligen Gebiet der DDR. Historisch betrachtet ist Deutschland sogar der fünftgrößte Uranproduzent der Welt. Obwohl der hiesige Umgang mit den Altlasten international als gutes Beispiel gelte, kämpfen die betroffenen Regionen noch immer mit den Spätfolgen. »Auf einer Fläche von 3700 Hektar bleiben 47 radioaktiv kontaminierte Halden mit über 300 Millionen Kubikmeter Gesteinsresten zurück«, so der Atlas. Dazu kämen Millionen Kubikmeter versuchter Schlämme. Das große Gefahrenpotenzial zeigt auch eine andere Zahl: Von den 70 000 ehemaligen Arbeiter*innen seien 6000 an Strahlenfolgen oder Krebs gestorben, sagt Hamm. Üblicherweise erkranken in Deutschland etwas mehr als 500 von 100 000 Menschen an Krebs.

Und im Gegensatz zu AKW-Atommüll ist die Debatte über die Entsorgung dieser strahlenden Abfälle derzeit nicht existent. Statt für diese gefährlichen Produkte ein Endlager zu suchen, habe man sie einfach an Ort und Stelle gelassen, bescheinigt der Uran-Atlas. »Ohne Planfeststellungsverfahren, ohne Öffentlichkeitsbeteiligung und ohne Langzeitsicherheitsnachweis.« Doch die Nutzung des gefährlichen Stoffs geht weiter: In Deutschland soll es auch nach dem Atomausstieg eine Brennelementefabrik und eine Urananreicherungslage geben. »Im Gegensatz zum generellen Glauben gibt es gar keinen vollständigen Atomausstieg. Das muss sich dringend ändern«, sagt Becker.

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