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Ungeliebter Volksfestbrauch

Tomas Morgenstern wundert sich über Werders Umgang mit dem Baumblütenfest

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 2 Min.

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Das Baumblütenfest in Werder
Das Baumblütenfest in Werder

Werder (Havel) gilt als Obstgarten von Berlin und Potsdam - die Pracht der Werderschen Obstbaumblüte ist über die Region hinaus legendär und das mit ihr einhergehende Baumblütenfest populär. Seit 1879 wird es gefeiert und ist bis heute ein echtes Volksfest geblieben. 2019 kamen Hunderttausende Besucher zur 140. Festwoche in die Inselstadt. Rund 100 Werderaner öffneten wie stets gastfreundlich ihre Höfe und Gärten, servierten Kaffee, Kuchen und selbstgemachten Wein.

Es ist ein klassisches Volksfest mit Festumzug, Blütenkönigin, Bühnenprogrammen, Rummel und Feuerwerk, getragen von Vereinen und vielen freiwilligen Helfern. Und natürlich gibt es deftige Speisen - und auch ganz viel Alkohol. Besonders der heimische Obstwein ist beliebt und berüchtigt zugleich, denn im Übermaß genossen, wird er zum sprichwörtlichen »Bretterknaller«. Und das allzu häufig mit üblen Folgen nicht nur für das Erscheinungsbild der Stadt und für den Nahverkehr. Krakeelende Saufbrüder geraten gewaltsam aneinander, attackieren oft auch Unbeteiligte. Jedes Jahr gibt es Dutzende Festnahmen. Blütenfest - das bedeutet auch Großeinsatz für Polizei und Rettungsdienste.

Man muss Volksfeste dieser Art nicht unbedingt mögen, ist aber gut beraten, wenn man die Traditionen und die Menschen respektiert, die sie tragen. In Werder (Havel) hat es immer schon Versuche gegeben, das Baumblütenfest einzuhegen. Als um die Jahrtausendwende Bürgerinitiativen gegen die vermeintliche »Ballermann-Meile« zu Felde zogen, galt das rasch als Aktion zugezogener »Besserwessis«. Wie ein Volksfest abläuft, was man besser machen kann, bespricht man am besten rechtzeitig mit allen Bürgern. Ohne Grund ist ja die Stadt mit ihrem einsamen Vorstoß nicht gescheitert. Dass sie jetzt für 2020 das Baumblütenfest einfach absagt, ist ein Desaster. Es zeugt auch von mangelndem Respekt vor den Leuten, die für den Erhalt des Obstanbaus am Ort kämpfen.

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