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»Wir sind uns einig, dass es Grenzen geben muss«

Mitglieder von »Extinction Rebellion« sprechen sich gegen Rassismus und Sexismus in ihrer Klimabewegung aus

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Gruppe «Extinction Rebellion» ruft zum zivilen Ungehorsam für Protestaktionen gegen die internationale Klimapolitik auf und will die breite Gesellschaft erreichen.
Die Gruppe «Extinction Rebellion» ruft zum zivilen Ungehorsam für Protestaktionen gegen die internationale Klimapolitik auf und will die breite Gesellschaft erreichen.

Die Klimabewegung »Extinction Rebellion« (zu Deutsch: »Rebellion gegen das Aussterben«, kurz »XR«) steht aktuell wegen Äußerungen ihres Mitglieds Roman Hallam in der Kritik. In einem Interview mit der »Zeit« hatte er gesagt: »Anders als klassische linke Bewegungen schließen wir niemanden aus, auch jemand, der ein bisschen sexistisch oder rassistisch denkt, kann bei uns mitmachen.« Das »nd« hat bei anderen Ortsgruppen nachgefragt, wie sie zu diesem Zitat stehen.

Hannah Elshorst, Gründerin der »XR« Gruppe Frankfurt, sagt gegenüber »nd«: »Ich weiß, was er meint und kann verstehen, dass er missverstanden wurde.«

Auch Tino Pfaff, aus der Ortsgruppe Weimar, äußert Verständnis und stellt klar: »Ich verstehe das Zitat so, dass es ausdrücken will, dass «XR» die breite Gesellschaft erreichen will«, erklärt er gegenüber »nd«. Pfaff denkt, dass das Zitat aus dem Kontext gerissen wurde und jetzt für großen Unmut sorgt.

Hannah Elshorst, Gründerin der Ortsgruppe Frankfurt von
Hannah Elshorst, Gründerin der Ortsgruppe Frankfurt von "XR".

Der Klimabewegung wurde oft vorgeworfen, dass sich vor allem weiße und privilegierte Menschen in ihr engagierten. »Extinction Rebellion« will damit Schluss machen. »In gewisser Weise sind wir jeden Tag Teil von ausbeuterischen Strukturen, die auf Rassismus und Sexismus gründen«, führt Pfaff aus, der oftmals als Pressesprecher für die Klimabewegung agiert. Die Aktivist*innen haben Prinzipien, an die sie sich halten wollen. Das sechste Prinzip heißt: »Alle sind willkommen, so wie sie sind.« Demnach ist eigentlich kein Platz für Sexismus oder Rassismus. Allerdings seien diese Prinzipien» sehr weit weg, von den Werten, mit denen wir alle aufgewachsen sind«, erklärt Elshorst.

Schwer umsetzbare Prinzipien

Hannah Elshorst, die junge Frau aus Frankfurt, die sich auch national und international bei »XR« engagiert, sagt: »Ich glaube, dass wir alle die toxischen Strukturen des Systems reproduzieren, in dem wir sozialisiert wurden.« Daher seien die Aktivist*innen noch weit davon entfernt, diese Prinzipien jederzeit komplett verkörpern zu können. Tino Pfaff aus Weimar sieht diesen Widerspruch ebenfalls. Er zeigt sich aber überzeugt, dass »Menschen, die zu «Extinction Rebellion» kommen, verstehen werden, wann sie sexistisch oder rassistisch gehandelt haben und diese Handlungen überdenken.« Er erwartet, dass diejenigen, die bei »XR« bereits länger aktiv sind, sensibilisieren und klar machen, was sexistische und rassistische Handlungen sind. Rassismus und Sexismus soll bei »XR« nicht gedultet werden. Sowohl Pfaff wie auch Elshorst haben in ihren Ortsgruppen noch keine Erfahrungen mit rassistischen oder sexistischen Handlungen oder Äußerungen gemacht.

Auf nationaler Ebene wird in der Bewegung gerade eine »Care-Gruppe« (zu Deutsch: Obhut- oder Sorge-Gruppe) gegründet. In dieser soll diskutiert werden, wie damit umgegangen werden soll, wenn die Prinzipien von Mitgliedern ernsthaft missachtet werden. »Wir sind uns einig, dass es dann Grenzen geben muss«, sagt Elshorst, die in der Gruppe aktiv ist. Wenn das Wohlbefinden von Menschen durch Sexismus oder Rassismus von anderen gestört würde, »müssen wir Konsequenzen ziehen können«. Wenn diejenigen, die das Wohlbefinden störten, nicht bereit seien, ihr Verhalten zu reflektieren und zu bessern, sollten sie schlimmstenfalls von »XR« ausgeschlossen werden können, erklärt Elshorst weiter.

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