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Das erste Mal

Tadej Pogacar entzückt bei der Vuelta die Radsportwelt

  • Von Tom Mustroph, Becerril de la Sierra
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei der Spanienrundfahrt beginnt gerade ein neuer Stern zu leuchten. Tadej Pogacar heißt er, 20 Jahre ist er erst alt und macht gerade viele Dinge zum ersten Mal in seinem Leben. Eine Grand Tour fahren zum Beispiel, aufs Siegerpodest klettern, um sich für Etappensiege feiern zu lassen, und sich das Trikot des besten Jungprofis überstreifen. Hoffnung auf das Abschlusspodium am Sonntag in Madrid darf sich der Slowene auch noch machen. Sehr viel Premierenarbeit - und Premierenfreude - für einen Burschen, dessen Entwicklungskurve an die des aktuellen Toursiegers Egan Bernal erinnert.

Eigentlich stand die Vuelta noch gar nicht auf Pogacars Karriereplan. 2020 erst sollte er seine erste große Rundfahrt machen. Dann startete er aber extrem gut in seine allererste Profisaison - mit dem Gesamtsieg bei der Algarve-Rundfahrt etwa und einer tollen Leistung bei der Baskenlandrundfahrt, als er half, die deutschen Radprofis Maximilian Schachmann und Emanuel Buchmann noch zu entthronen und seinen irischen Teamkollegen Daniel Martin auf Rang zwei zu bringen. So konnten seine Chefs beim arabisch-italienischen Rennstall UAE nicht anders, als ihn schon jetzt zur Vuelta zu bringen.

Den letzten Ausschlag gab sicherlich Pogacars überzeugender Sieg im Mai bei der Kalifornienrundfahrt. Er stürmte den Mount Baldy hinauf, den Königsberg dieser Sieben-Tages-Tour, und ließ Männer wie Richie Porte und Maximilian Schachmann alt aussehen. Weil im Vorjahr ein gewisser Egan Bernal in Kalifornien gewonnen hatte, mit 21 Jahren damals jüngster Sieger überhaupt, ging bei Pogacars Erfolg ein Zucken durch die Radsportwelt. Hier war einer noch jünger - und ebenso erfolgreich.

In Spanien schreibt Pogacar jetzt an seiner Junghelden-Saga kräftig weiter. Zwei Etappensiege holte er bereits. Auf der neunten Etappe in Andorra ließ er den früheren Vuelta- und Giro-Sieger Nairo Quintana buchstäblich stehen. Für den geschlagenen Kolumbianer kam zum Frust über den verpassten Etappensieg noch hinzu, dass er sich beim Warten auf den Skilift ins Tal eine Erkältung zuzog, die ihn in der zweiten Vuelta-Woche stark beeinträchtigte.

Pogacar war zudem auf den bis zu 25 Prozent steilen Rampen von Los Machucos erfolgreich. Da strebte er gemeinsam mit seinem Landsmann Primoz Roglic dem Ziel entgegen. Roglic ließ sich hochziehen - und nach alter Radsportsitte überließ der ältere Slowene dem jüngeren, der mehr gearbeitet hatte, den Tagessieg. Roglic hatte im Klassement den Vorsprung auf seine Verfolger ausgebaut, und Pogacar war als Gesamtdritter aufs Podium geklettert. »Wir sind gute Freunde«, sagte Roglic fröhlich - aber auch in der Überzeugung, dass sie bald auch heiße Rivalen sein werden, er jetzt aber noch das bessere Ende für sich behalten wird.

Pogacar zumindest lässt ihn bislang in diesem Glauben. »Das rote Trikot sitzt fest bei Roglic«, meint er. Selbst will er, selbst soll er in Madrid auf einer der beiden anderen Stufen des Podiums stehen. Angesichts des Auf und Abs der Movistar-Kapitäne Quintana und Alejandro Valverde sowie des vom Pech verfolgten Astana-Frontmanns Miguel Angel Lopez ist das realistisch. »Was mich an ihm beeindruckt, neben seiner physischen Stärke natürlich, ist seine mentale Kraft. Er ist noch jung, aber er hat den Kopf eines Champions«, sagte Teamkollege Valerio Conti gegenüber »nd«. Während des Rennens spräche Pogacar wenig, meint Conti. »Aber was er sagt, hat Hand und Fuß«, erzählte der Italiener, der selbst in diesem Jahr mit ein paar Tagen in Rosa beim Giro d’Italia zum Star in seiner Heimat wurde.

Pogacars Entwicklung verlief - im Gegensatz zum früher skispringenden Landsmann Roglic - klassisch. »Im Alter von neun Jahren habe ich mit dem Radsport angefangen. Mein älterer Bruder betrieb Radsport, und ich wollte damals alles machen, was er auch machte«, erzählte Pogacar. Seine ersten Rennen gewann er nicht. »Ich wurde 40. - bei 40 Teilnehmern; mein bestes Resultat im ersten Jahr war ein 15. Platz.« Damals fuhr er allerdings gegen zwei Jahre Ältere. Jetzt sind seine Gegner teilweise 19 Jahre älter, wie etwa Weltmeister Valverde. Den meisten von ihnen fährt er aber davon. Bernal übrigens, der Vergleichsjüngling, wurde bei seiner ersten Grand Tour »nur« 15. - als Helfer seiner Kapitäne Geraint Thomas und Chris Froome. Seine zweite große Rundfahrt gewann er. Pogacar hat in seinem Team niemanden, der ihm die erste Geige streitig machen würde.

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