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Aus Selbstschutz abgetaucht

In Berlin werden die Preise für Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen verliehen

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Pham Doan Trang lebt schon seit längerem in Vietnam im Untergrund.
Pham Doan Trang lebt schon seit längerem in Vietnam im Untergrund.

An diesem Freitag erhält die vietnamesische Journalistin Pham Doan Trang den Preis für Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen, in der Kategorie »nachhaltiger Journalismus«. Die 41-jährige ist zwar Bestsellerautorin und Bloggerin, doch sie lebt seit Jahren in Vietnam im Untergrund, besitzt keinen Pass und kann deshalb nicht zur Preisverleihung in den Berliner Kammerspielen anreisen. Die studierte Juristin setzt sich in ihrer journalistischen Arbeit für die Bürgerrechte ein und ermutigt ihre Mitmenschen, sie auch in Anspruch zu nehmen. Ihre Texte sind leicht verständlich geschrieben und im Internet sehr beliebt. Trang wurde mehrmals inhaftiert und außerdem von Banditen überfallen und geschlagen, in denen sie Mittelsmänner des vietnamesischen Geheimdienstes vermutet. Aus Selbstschutz entschloss sie sich, in den Untergrund zu gehen.

2008 war in Vietnam ihr Porträtband über schwule und lesbische Menschen erschienen, damals noch in einem offiziellen Verlag. Homosexualität war in Vietnam lange ein Tabuthema, Trangs Porträtband trug dazu bei, dass man darüber auch öffentlich diskutieren konnte. Das Buch wurde zum Bestseller und war nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen mit ein Grund für die liberale Haltung gegenüber Homosexualität, die in Vietnam mittlerweile vorherrscht, zumindest im Vergleich mit den Nachbarstaaten.

Seit 27 Jahren ehrt die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen mit den Press Freedom Awards Journalist*nnen, die trotz widriger Umstände den Mächtigen auf die Finger schauen, die trotz größter Gefahren für Leib und Leben nicht schweigen wollen. In diesem Jahr findet die Preisverleihung erstmals in Berlin statt.

Dass Preisträger*innen nicht persönlich anreisen können, ist nicht außergewöhnlich. Viele sind im Gefängnis eingesperrt, anderen wurde der Pass entzogen oder sie sind nicht reisefähig, weil ihnen Haft und/oder Folter zu stark zugesetzt haben. Im Idealfall verhilft ihnen der Pressefreiheits-Preis zu internationaler Aufmerksamkeit und sie kommen aus der Haft frei, wie beispielsweise der iranische Journalist Reza Alijani, der den Preis 2001 bekam.

2019 werden neben Pham Doan Trang die saudi-arabische Frauenrechtlerin, Journalistin und Bloggerin Eman Al-Nafjar und die maltesische Journalistin Caroline Muscat ausgezeichnet. Da Al-Nafjar erst kürzlich aus der Haft entlassen wurde, kann sie nicht nach Berlin kommen. Nur Muscat ist als Preisträgerin anwesend. Nach dem Mord an ihrer Kollegin Daphne Caruana Galizia 2017 gründete die Malteserin die unabhängige Website »The Shift News«, die investigativ Korruptionsfälle recherchiert.

Für Trang nimmt ihr Kollege Trinh Huu Long den Preis entgegen. »Sie ist die wichtigste publizistische Stimme in Vietnam, die die Regierung kritisiert. Für unterdrückte Menschen hat sie große Empathie«, sagt Long, der in Taiwan lebt und Trang hilft, ihre Bücher und Artikel zu veröffentlichen. Er hofft, dass ihr das Preisgeld in Höhe von 2500 Euro hilft, sich medizinisch behandeln zu lassen, da sie an Knieproblemen leidet.

Im Ranking für Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Malta auf Platz 77, Saudi-Arabien auf Platz 172 und Vietnam auf Platz 176 von insgesamt 181 Staaten.

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