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Tödliche Trockenheit

In Chile bleibt diesen Winter der Regen aus und sorgt für eine beispiellose Dürre

  • Von Malte Seiwerth, Santiago de Chile
  • Lesedauer: 3 Min.

In Chile gibt es laut den Wetterprognosen keine Aussicht auf Besserung. Der Niederschlag 2019 betrug bis dato nur ein Drittel der erwarteten Regenmenge. Darunter leidet nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die großen Minen - das Herz der chilenischen Wirtschaft - und die Bevölkerung.

Normalerweise fließt im September ein großer Strom Wasser durch das Flussbecken des Mapocho. Doch in diesen Wochen durchquert nur ein kleines Rinnsal die Brücken des Hauptstadtflusses. Noch vor 30 Jahren gab es zur gleichen Zeit Überschwemmungen. Die Klimaerwärmung, so scheint es, hat die Hauptstadt fest im Griff. Doch auch auf dem Land sieht es nicht besser aus. Eigentlich sollten die Berge um Santiago von weißen schneebedeckten Hängen und weiter unten saftgrünen Weiden bedeckt sein.

Diese Krise bedrängt besonders die Viehzucht. Bis Ende August zählte die Regierung etwa 10 000 verhungerte Tiere. Für viele kleine Viehhalter ist die Lage sehr angespannt. So auch in Putaendo. Hier, am Fuß der Anden wächst normalerweise saftiges Gras. Doch nun ist das Land trocken und ihre Tiere sterben am Hunger. Die Hilfe der Regierung, in Form von Form von Futter, kam erst nach mehreren Monaten. Sie meinen »Wenn nicht sofort etwas getan wird, erleben wir das Ende unserer Hirtenkultur in unserer Region.«

Selbst für die großen Minenunternehmen sieht es nicht besser aus. Minenarbeiter, die nicht mit dem Namen genannt werden möchten, erzählen, dass die Produktion heruntergefahren wurde. Es gäbe nicht genügend Wasser für die Verarbeitung der Gesteine »und dies im Winter. Stell dir vor wie es im Sommer sein wird.« Der Meteorologe Leopoldo Ponce erzählt, dass die Minen seit Jahren ihr Reserven aufbrauchen, so haben sie mehrere Bergseen angezapft. »Doch diese sind mittlerweile so gut wie ausgetrocknet.«

Die Perspektiven für die Bevölkerung sehen ebenfalls erschreckend aus. Schon jetzt wird in manchen ländlichen Gebieten das Wasser mit Lastwagen geliefert. Eigentlich gibt es dort gemeinschaftliche Brunnen mit einem eigenem Verteilernetz. Doch diese sind nun teilweise ausgetrocknet. Selbst für Santiago bat nun das private Wasserunternehmen, den Wasserverbrauch zu reduzieren. So sollen im Sommer keine Parks mehr gegossen werden, um so die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Auf lange Zeit denkt das Unternehmen an die Aufbereitung von Abwässern.

Die Regierung hat bisher vor allem den Klimawandel für die Situation verantwortlich gemacht. Dem widerspricht Ponce, er meint die Minen habe die aktuelle Krise mitverursacht. So wurden über Jahrzehnte Gletscher für den Zugang zu neuen Kupferfeldern zerstört. »Des Weiteren erzeugen die offenen Minen, wie sie in den Anden anzutreffen sind, eine gewaltige Menge an Staub, dieser legt sich auf die Gletscher und verdunkelt sie. Dadurch erwärmen sich diese und schmelzen. Die fehlende Kälte in den Anden führt zudem dazu, dass die Wolken die Anden nach Argentinien überqueren ohne zu abzuregnen. All dies«, so fügt Ponce hinzu, »ist durch die Unternehmen verursacht und wurde höchstens durch den Klimawandel verstärkt«.

Anstatt strukturelle, tiefgreifende Lösungen zu suchen, setzt die Regierung vielmehr auf den Bau von Entsalzungsanlagen und Kanälen die vom regenreichen Süden bis in den Norden gehen sollen. Dieses Verhalten ist ein Symptom der aktuellen Krise. Denn in Chile ist das Wasser in Privateigentum und bei Mangel gilt das Recht des Stärkeren. Wer tiefere Brunnen graben kann oder, wie im Falle der Minen, weiter oben am Wasserlauf sitzt, bekommt mehr Wasser. Diese Situation brachte schon im Sommer 2015 die Menschen in Aufruhr. Während kleine Bauern kein Wasser für ihre Felder hatten und teils das Leitungswasser ausfiel, wuchsen nebenan riesige Avocadoplantagen. Und so sind auch heute einzig die Hügel grün, an denen Avocados wachsen. Selbstverständlich hauptsächlich für den Export.

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