Werbung

Alternative zur teuren Wohnung

Dauercamping boomt, auch in Rheinland-Pfalz / Ganzjährig auf dem Zeltplatz zu leben, ist aber juristisch heikel

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Familie Hasselbach vor ihrem Holzhaus auf dem Campingplatz Wiedhof in Waldbreitbach
Familie Hasselbach vor ihrem Holzhaus auf dem Campingplatz Wiedhof in Waldbreitbach

Gartenzwerge, Geranien und Gärtchen: Viele Menschen haben sich auf rheinland-pfälzischen Campingplätzen ein Idyll geschaffen. Manche kommen auch im Winter immer wieder hierher, haben hier Briefkästen und fahren von hier aus zur Arbeit. »Das ist ein Boom«, sagt Christiane Kalteis vom »Camping Wiedhof« in Waldbreitbach im Westerwald. »Wenn einer sein Häuschen verkauft, geht es ratzfatz, dann liegen schon zehn Interessenten auf der Lauer.« Jens Jacobi vom Campingplatz Neudahner Weiher in Dahn in der Pfalz bestätigt das: »Es gibt fast auf jedem Campingplatz eine Warteliste für Dauercamping.«

Reinhard Weckmüller, Rentner aus dem nordrhein-westfälischen Hagen, harkt mit freiem Oberkörper unter einer Fahne des deutschen Kaiserreichs den Weg vor seiner Parzelle. »Früher wollte keiner auf dem Campingplatz wohnen. Heute ist das ganz anders.« Die Ruhe am Flüsschen Wied sei traumhaft, die Gemeinschaft mit anderen Dauercampern gut. Weckmüller werkelt seit sieben Jahren an seinem Holzhaus auf einer gepachteten Parzelle. Sein Nachbar Gert Hoffmann kontrolliert mit dem Handy seine mit Kameras ausgerüstete Wohnung in Köln - und von dort aus sein Holzhäuschen mit Erker an der Wied. »So schlafe ich ruhiger«, sagt er.

Camping boomt. Rund 550 000 Gäste auf Zelt- und Caravanplätzen hat das Statistische Landesamt 2006 in Rheinland-Pfalz gezählt. 2018 sind es mit etwa 950 000 schon fast doppelt so viel gewesen. Dauercamper weisen die Statistiker nicht eigens aus. Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland, Christian Günther, sagt: »Wir gehen bundesweit von 260 000 bis 300 000 Standplätzen für Dauercamper und 230 000 touristischen Standplätzen aus.«

Das Rentnerpaar Karl und Renate Büsing lebt im Winter im süditalienischen Kalabrien und im Sommer auf dem Campingplatz in Waldbreitbach. »Im Sommer ist es uns da unten zu heiß geworden«, sagt Karl Büsing. Aber auch jüngere Semester leben hier: Sergej Hasselbach, Schichtleiter bei einem Getränkehersteller, ist mit Frau und Kindern aus beruflichen Gründen hergekommen. »Wir suchen von hier aus in Ruhe nach einem richtigen Haus, wollen aber auch unsere Parzelle behalten«, sagt Hasselbach. »Leben, wo andere Urlaub machen - es ist toll, nach der Arbeit hierher zurückzukommen«, sagt der 38-Jährige. Seine Frau Nelly (35), Zimmermädchen in einem Hotel, ergänzt: »Hier können wir die Kinder einfach rumlaufen lassen.« Die elfjährige Tochter Katharina sagt: »Hier haben wir viele Kinder zum Spielen, das ist schön.«

Laut Verbandschef Günther sind die Motive fürs Dauercampen vielfältig. Dazu zählten mehr Ruhe, mehr Natur, Gemeinschaft. Manche suchten bewusst ein Leben ohne viel Besitz, andere einen nahen Rückzugsort.

Platzchefin Kalteis weist auf die Wohnsituation in Ballungsgebieten hin: »Wo kriegen Sie da heute noch eine vernünftige Erdgeschosswohnung mit Garten?« Mindestens 150 Quadratmeter groß seien die Parzellen für Dauergäste bei Camping Wiedhof. »Die Pacht dafür liegt bei 1100 bis 1200 Euro pro Jahr, also rund 100 Euro im Monat.« Ihr Platz, so Kalteis, biete Dauercampern TV-Kabelanschluss, frostsichere Wasserleitungen, Briefkasten und WLAN.

Der Campingplatz Neudahner Weiher in der Pfalz verlangt nach eigenen Angaben rund 1400 Euro pro Jahr für eine mindestens etwa 100 Quadratmeter große Fläche. Im Winter ist er aber geschlossen.

Wer ganzjährig auf einem Campingplatz wohnt, bewegt sich in einer juristischen Grauzone. Laut Verbandschef Günther können Kommunen das Dauercampen dulden. Es sei aber langwierig, die entsprechenden Genehmigungen zu bekommen. Auch der Campingplatz Wiedhof sieht kein ganzjähriges Wohnen vor. Maximal 50 Quadratmeter Grundfläche dürfen Häuschen auf Campingplätzen in Rheinland-Pfalz haben - plus zehn Quadratmeter Terrasse. Bei Camping Wiedhof gibt es in eine feste Behausung eingekapselte Wohnwagen, liebevoll gepflegte Holzhütten und sogar kleine Steinhäuser, dazwischen Wohnmobile. An Nachfolger werden Häuschen von Dauercampern nach Angaben von Kalteis für 5000 bis 30 000 Euro verkauft, je nach Ausstattung. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!