Die letzte Utopie

Vor einem Vierteljahrhundert starb Karl Popper, der Philosoph der »Offenen Gesellschaft«. Hat sich diese inzwischen zu Tode gesiegt?

  • Von Jürgen Große
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Um Karl Raimund Poppers Erbe scheint es nicht schlecht zu stehen. »Die offene Gesellschaft«, Titelthese seines sozialphilosophischen Hauptwerks, ist in der Politik- und Mediensprache Deutschlands etabliert. Die Freude der Popperianer dürfte dennoch gedämpft sein.

Popper wurde 1902 ins gebildete Großbürgertum Wiens geboren. Der Vater war vom jüdischen Glauben zum Protestantismus übergetreten. Seinen starken sozialen Impuls - Dr. Simon Popper kümmerte sich um die Obdachlosen der Stadt - scheint er auf den Sohn vererbt zu haben. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde der junge Karl Popper Sozialdemokrat, schloss sich kurzzeitig sogar den Kommunisten an. Deren dialektischer Politikbegriff - Klassenkonflikte zuspitzen und so zur Revolution führen - stieß Popper jedoch ab. Er konnte darin nur moralische und intellektuelle Anmaßung entdecken. Popper wurde Antikommunist und bald auch Antimarxist. Bis zu seinem Tod sollte sich daran ni...


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