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Erst die Arbeit, dann der Spaß

Spaniens Basketballer sind nach einem einseitigen Finale gegen Argentinien Weltmeister

  • Von Oliver Kern, Peking
  • Lesedauer: 4 Min.

Facundo Campazzo kam mit einem Lächeln in die Halle. Er nahm sich einen Ball, legte ihn auf den Glatzkopf des Assistenztrainers und ließ ihn ein paar Sekunden darauf rotieren. Lampenfieber im WM-Finale? »Nein. Ich habe Spaß«, schien auch an diesem Sonntagabend in Peking Campazzos Einstellung zu sein. Der nur 1,79 Meter große Argentinier war bei dieser WM einer der auffälligsten Spieler, spielte Pässe hinter dem Rücken oder durch die Beine der Gegner. Er war das lächelnde Gesicht der argentinischen WM-Überraschung, also nahm der Co-Trainer das Späßchen stoisch hin. Das Team brauchte ja auch weiter einen gut aufgelegten Spielmacher, um gegen Spanien eine Chance zu haben.

Schon der Beginn des Spiels war dann aber gar nicht nach dem Geschmack des 28-jährigen Campazzo. Sein direkter Gegenspieler Ricky Rubio traf seinen ersten Wurf und fand danach seine Mitspieler gut, Campazzos erste drei Versuche gingen daneben. Jeder umkämpfte Ball, jeder Rebound landete in spanischen Händen. So stand es schnell 2:14, ein klassischer Fehlstart - und das Lächeln wich einem Kopfschütteln.

Argentinien war völlig überraschend ins Endspiel vorgerückt, in dem die Experten eher die USA und Serbien erwartet hatten. Selbst die alten Spanier standen nicht mehr ganz oben auf der Kandidatenliste. »Beide Teams sind viel weiter gekommen, als es ihnen zugetraut wurde«, befand sogar Spaniens Trainer Sergio Scariolo. »Ich hörte, die Quoten für dieses Finale standen vor der WM bei 60:1. Ich hoffe, irgendjemand hat darauf gewettet und ist reich geworden.«

Dennoch stellte Scariolo klar, dass für ihn die besten Mannschaften dieses Turniers das Finale erreicht hatten: »Hier spielen nicht die größten Namen. Aber diese Jungs geben nie auf, sie spielen stets zusammen. Das eint beide Teams.« Was sie trennt, ist die Einstellung zum Spiel. Spanien setzt auf harte Arbeit, besonders in der Verteidigung, die Argentinier dagegen auf ein kreatives Offensivspiel, das nicht nur den Akteuren selbst, sondern auch den Fans in China in den vergangenen zwei Wochen viel Spaß bereitete.

Im ersten Viertel des Endspiels aber setzten sich die Europäer mit ihrer Basketballversion durch. Argentiniens Altstar Luis Scola wurde komplett kaltgestellt, und seine Mitspieler trafen ihre Distanzwürfe nicht wie in den Runden zuvor, als sie viermal mehr als 90 Punkte erzielt hatten. In den ersten zehn Finalminuten gelangen ihnen nur 14.

Campazzos Spaßbasketball war auch nur selten zu sehen. Hier und da täuschte er mal einen Pass hinter dem Rücken an oder dribbelte einem Gegenspieler durch die Beine. Viele Punkte kamen dabei aber nicht heraus. Stattdessen erarbeiten sich die Spanier genau die Würfe, die sie haben wollten, indem sie ihre Größenvorteile auf fast allen Positionen perfekt ausspielten. So hielten sie trotz einiger Zwischenspurts der Argentinier ihren Vorsprung bis zum Halbzeitstand von 43:31.

Vor allem Rudy Fernandez und Sergio Llull bekamen die Argentinier nie in den Griff, dabei sollten beide besonders Campazzo sehr vertraut sein: Die drei spielen bei Real Madrid zusammen. »Spaß ist auch uns wichtig«, hatte Scariolo gegenüber »nd« gesagt. »Aber nicht jeder zieht Spaß aus denselben Dingen. Uns macht der Wettkampf Spaß. Verteidigung macht uns Spaß. Manches ist harte und hässliche Arbeit, also sieht man uns das vielleicht nicht an. Aber am Ende ist es doch Spaß, wenn sich die Arbeit auszahlt.«

Und das tat sie. In der Defensive machte der 34-jährige Marc Gasol den Korb dicht, während die Kollegen vorn abwechselnd punkteten. Die Spanier zogen Punkt um Punkt davon und ließen die vor dem Spiel noch tanzenden argentinischen Fans langsam verstummen. Europas Arbeitsbasketball setzte sich letztlich mit 95:75 gegen die südamerikanische Spaßvariante durch.

Trainer Scariolo hatte bei diesem Turnier auf einige Stars verzichten müssen und bei der Zusammenstellung des Kaders bewusst den Fokus auf die Defensive gelegt. »Um mit den Besten mitzuhalten, müssen wir richtig stark verteidigen. Das ist unser Plan«, hatte er gesagt. Trotz eines überaltert und müde wirkenden Kaders ist dieser Plan aufgegangen. »Das ist doch eine tolle Botschaft: Auch wenn andere höher eingeschätzt werden, lohnt es sich anzutreten und seine Ambitionen nicht zu Hause zu lassen«, so Scariolo. »Wenn du an dich glaubst und alles tust, was in deiner Macht steht, passieren manchmal Dinge, die dich überraschen.«

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