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Höcke oder doch Hitler?

Thüringer AfD-Chef bricht Interview mit ZDF-Redakteur nach Fragen zu seinem Sprachgebrauch ab

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Bricht ein kritisches Interview einfach ab: Björn Höcke
Bricht ein kritisches Interview einfach ab: Björn Höcke

Im Nachhinein muss Björn Höcke seinem Pressesprecher dankbar sein. Günther Lachmann, ein Ex-Journalist, grätscht dazwischen, als er nach rund zehn Minuten merkt, in welche Richtung sich das »ZDF«-Interview mit dem Thüringer AfD-Chef entwickelt. »Ich würde sagen, das sollten wir einfach noch mal wiederholen. Das geht so nicht«, sagt Lachmann.

Höcke hatte da gerade im Gespräch mit dem »ZDF«-Redakteur David Gebhard erklärt, es sei irgendwie das Gleiche, wenn er in einer politischen Rede auf einer Veranstaltung des völkischen »Flügels« über »Siedlungs- und Lebensraum« spreche oder es aber im Thüringer Landtag eine Debatte über den Lebensraum der Rotmilane gibt.

Der AfD-Politiker hätte sich vermutlich weiter um Kopf und Kragen geredet, hätte sein Sprecher nicht interveniert. Nach einigen Hin und Her und dem Vorwurf, das Thema des Interviews sei so nicht abgesprochen gewesen, wird das Gespräch abgebrochen, nachdem Gebhard betont, dass er nicht noch einmal von vorne beginnt. Als Pressesprecher Lachmann am Ende fragt, ob das Interview verwendet werde, bekommt er als Antwort: »Natürlich wird das Interview verwendet.«

Seit Sonntagabend steht das komplette Gespräch, das bereits am Mittwoch in Erfurt geführt wurde, auf der »ZDF«-Website als Video und in verschriftlichen Fassung zur Verfügung. Ein Blick darauf lohnt sich, auch weil sich am Montag weite Teile der medialen Empörung vor allem um die erneute Inszenierung Höckes als angebliches Medienopfer drehten und nicht etwa darum, was der AfD-Politiker in den Minuten bis zum Abbruch des Interviews erzählt.
Bis zur Beendigung drehte dieses sich sich um Höckes Sprachgebrauch. Auffallend häufig verwendet der Frontmann des völkischen-nationalistischen AfD-»Flügels« in seinen reden NS-Vokabular wie »Keimzelle des Volkes«, »Entartet«, oder »Volksverderber«. Diese Erkenntnis stammt übrigens nicht vom ZDF, wie der Journalist Gebhard auch gegenüber Höcke erklärt, sondern aus einem AfD-internen Gutachten, das vor zweieinhalb Jahren im Zuge eines damals angestrebten, aber erfolglosen Ausschlussverfahrens entstand.

Die Kernaussage der Analyse lautete: Höcke habe eine »Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus« und die Wort- und Sinnverwandtschaft zu den Reden von Adolf Hitler sei »nicht zufällig«.

Genau daran knüpft das ZDF an. Höcke bekommt im Interview einen Einspieler zu sehen, wie Gebhard andere AfD-Vertreter mit zwei Zitaten konfrontiert und diese sagen sollen, ob dies Worte des Thüringers sind oder aus Hitler »Mein Kampf« stammen. Die Pointe: Beide Aussagen stammen aus einem Buch Höckes, doch keiner seiner Parteifreunde will sich mit seiner Einschätzung zweifelsfrei festlegen. Der AfD-Landeschef nennt seine Wortwahl auf Nachfrage dagegen »poetisch«.

Als Gebhard nachfragt, ob Höcke sich als Geschichtslehrer der verwendeten NS-Terminologie nicht bewusst sei, reagiert dieser gereizt: »Ja, was ist alles NS? Wer definiert, was NS ist? Ich glaube nicht, dass es eine allgemein gültige Definition dessen gibt, was NS-Diktion, was NS-Sprache ist, ja.« Die deutsche Sprache haben sich »sicherlich in den letzten 75 Jahren auch weiter entwickelt.«

Für sein Interview und die Weigerung, das Gespräch neu zu beginnen oder Passagen zu streichen, gab es für Gebhard Lob: Es sei völlig richtig gewesen, dass sich der ZDF-Kollege nicht darauf einließ, das Interview in Höckes Sinn weichzuspülen, erklärte der Deutsche Journalisten-Verband.

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