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»Fridays for Future« will das Land lahmlegen

Umweltaktivisten planen Demonstrationen und Aktionen in mehr als 400 Kommunen

  • Lesedauer: 3 Min.
Fridays for Future-Aktivisten demonstrieren vor dem Kanzleramt in Berlin.
Fridays for Future-Aktivisten demonstrieren vor dem Kanzleramt in Berlin.

Berlin. Die »Fridays for Future«-Bewegung hat der Bundesregierung wenige Tage vor dem weltweiten Klimastreik Versagen in der Klimapolitik vorgeworfen. Statt einer ambitionierten Klimaschutzpolitik liefere sie nur leere Versprechungen, denen keine Taten folgten, sagte ein Sprecher von »Fridays for Future« am Montag in Berlin. Nötig seien gerechte und wirksame Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz. Dafür gebe es eine gesellschaftliche Mehrheit.

Für Freitag hat ein breites gesellschaftliches Bündnis rund um »Fridays for Future« zu einem weltweiten Klimastreik aufgerufen. Bislang seien mehr als 400 Demonstrationen und Aktionen allein in deutschen Städten angemeldet, hieß es. Ziel sei es, den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen. »Scheinlösungen und gute Worte werden wir nicht akzeptieren«, sagte Sprecher Linus Steinmetz. Unterstützt werden die Schüler und Studenten von mehr als 200 Organisationen und Initiativen. Am Freitag will die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket beschließen, mit dem die deutschen Klimaziele erreicht werden sollen.

Während der Demonstrationen für mehr Klimaschutz an diesem Freitag will die Umweltbewegung »Extinction Rebellion« strategisch wichtige Punkte in der Hauptstadt Berlin blockieren. Geplant seien friedliche und kreative Aktionen unter dem Motto »Ungehorsam für alle«, erklärte die Gruppe am Montag. Ziel sei es, die eskalierende globale Klimakatastrophe und das Massenaussterben von immer mehr Arten in den Fokus zu rücken sowie den Druck auf die Regierung zu erhöhen.

»Die Teilnahme am Generalstreik mag für manche Menschen persönliche Konsequenzen haben. Aber nichts gegen die Klimakrise zu unternehmen, hat definitiv fatale Konsequenzen«, sagte Carola Rackete, Sea-Watch-Kapitänin und Aktivistin bei Extinction Rebellion. Die Umweltbewegung plant außerdem eine eigene Aktionswoche Anfang Oktober.

Unterstützung erhält »Fridays for Future« für den kommenden Freitag außerdem von Gewerkschaften und Kirchen. Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, rief am Montag Arbeitnehmer dazu auf, sich an den Aktionen am Freitag zu beteiligen: »Wem immer es möglich ist.« Die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, erklärte, »wir sind Teil der Schöpfung Gottes und mitverantwortlich, sie zu bewahren«. Deshalb würden in evangelischen Landeskirchen die Mitarbeitenden dazu aufgerufen, sich an dem Klimastreik zu beteiligen, wo es möglich ist, unterstrich die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Steinmetz betonte, »wir demonstrieren, weil uns nichts anderes übrig bleibt«. Die Politik müsse endlich handeln. »Wir steuern auf eine lebenszerstörende Krise zu und bislang passiert nichts«, so Steinmetz. Er forderte ein Klimaschutzgesetz mit klaren Zielvorgaben für die einzelnen Bereiche wie Verkehr, Energie und Landwirtschaft. Am vorangegangenen Klimastreik am 15. März beteiligten sich laut »Fridays for Future« mehr als 200.000 Jugendliche allein in Deutschland.

Antje von Broock, Vertreterin des Bündnisses und stellvertretende Geschäftsführerin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sagte mit Blick auf arbeitsrechtliche Probleme für Beschäftigte, es gebe diverse Möglichkeiten, sich am Klimastreik zu beteiligen. Dabei verwies sie unter anderem auf Überstundenabbau, einen gemeinsamen Betriebsausflug oder eine verlängerte Mittagszeit.

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Bsirske betonte, der Klimastreik sei nicht vergleichbar mit einem Streik während eines Arbeitskampfes: »Wir zahlen kein Streikgeld.« Wer aber die Möglichkeit habe, am 20. September Flagge zu zeigen, solle dies tun.

In dem Aufruf zum Klimastreik heißt es unter anderem: »Die Proteste von #FridaysForFuture sind berechtigt: Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen - bereits heute vernichtet die Klimakrise Leben und Lebensgrundlagen von Millionen Menschen weltweit.« Sie verschärfe bereits bestehende Ungleichheiten und verletze grundlegende Menschenrechte. Agenturen/nd

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