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Poschiboy am Aparillo

Als Gott einmal persönlich in der Chefredaktion der Tageszeitung »Die Welt« anrief. Ein Tagtraum.

  • Von Jasper Nicolaisen
  • Lesedauer: 6 Min.

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Ziemlich häufig nicht erreichbar: Gotts Telefon
Ziemlich häufig nicht erreichbar: Gotts Telefon

Es war ein hundsgewöhnlicher Herbstmorgen mit 38 Grad im Schatten, als in der »Welt«-Redaktion das Telefon klingelte. Seufzend wuchtete sich Chefredakteur Ulf Poschardt in seinen Porsche und brauste quer durchs Zimmer an den Schreibtisch. Praktikantinnen spritzen beiseite. Das war die Freiheit, die er meinte! Gut gelaunt nahm Poschardt den Hörer ab.

»Geilo-Printmedium Numero Uno, Poschiboy am Aparillo!«

Aparillo! Gleich griff er nach dem stets zum Bersten mit Tinte gefüllten Schreibgerät aus Walpenisknochen, um diese Spitzenformulierung zur späteren Twitterverwendung festzuhalten, da erstarrte er.

»Poschi?«, fragte eine Stimme wie Donnerhall und Posaunen. »Hi. Ich bin’s, Gott.«

»Ich glaube an keinen Gott«, erwiderte Poschardt trocken wie ein Martini aus Zeiten, als das Mannsein noch erlaubt war.

»Poschi, Poschi, Poschi!« Die Stimme packte ihn wie mit Mafiabosspranken im Nacken. »Ich bin enttäuscht von dir. Ich dachte, du wärst ein Liberaler. Der letzte Bourgeoikaner! So schnell soll deine persönliche Freiheit schon enden? Willst du mir etwa sagen, dass du nicht glauben kannst, wie’s dir beliebt? Ja, wenn nicht mal du noch lustvoll zugreifen magst auf dem Markt der Meinungen, tja, dann muss ich mir wohl ein anderes Werkzeug, Pardon, einen anderen Partner für mein kleines geiles Apokalypse-Joint-Venture...«

Wachgekitzelt wie vom Genuss eines Antilopensteaks in Amphetaminsauce fuhr Poschardt auf. »Wenn hier einer glaubt, was er will, dann bin ich das! Klar, Gott? Ich lasse mir keine Vorschriften machen. Nicht mal von dir, Allmächtiger!«

»Natürlich nicht«, schnurrte Gott. »Habe ich auch gar nicht anders erwartet.«

»Okay. Cool. Und was meintest du da von wegen Apokalypse? Du bist doch nicht unter die Thunbergjünger gegangen, oder?«

»Pah«, schnaubte Gott. »Klimawandel! Du und ich, wir wissen, dass es immer heiße Sommer gegeben hat. Ich meine, schon als es finster aus der Tiefe war, ließ ich meinen Geist ein bisschen über den Wassern schweben, so zur Abkühlung, und guckte allem, was da kreuchte und fleuchte, auf den Arsch. Und siehe, es war SEHR GUT!«

Poschi und der Allmächtige kicherten einvernehmlich.

»Nein, Poschi«, seufzte der Schöpfer, »es verhält sich einfach so, dass ich an meinen Werken keine rechte Freude mehr habe. Greta Thunberg, Genderwahn, Tempolimits überall, dieser lästige Islam...« Gott verfiel in einen männlich-melancholischen, geradezu hemingwayschen Tonfall. »Kurz und gut, Poschi - ich mache Schluss. Sieben Plagen, um der guten, alten Zeiten willen. Sintflut, Feuersbrunst, ein jüngstes Abschiebegericht für die ganze versiffte Menschheit. Und dann ein Neuanfang. Ein neues Paradies, ohne Fortschrittsverhinderer, Bedenkenträger und Leisetreter. Und da kommst du ins Spiel...«

Gott machte eine Kunstpause.

Poschardt hob die Vorderpfote und witterte in den benzinduftenden Wind of Change, der plötzlich aus der Ewigkeit ins Jammertal der Welt wehte.

»Du sollst mein neuer Adam sein«, ließ Gott die Muschi aus dem Sack.

»Geil.« Poschi war nicht der Typ, der lange grübelte, wenn irgendwo eine sexy Innovation mit produktiver Zerstörung lockte. »Und wer wird meine Eva?«

Gott räusperte sich. »Henryk M. Broder.«

»Ich ficke doch nicht den Broder!«, entrüstete sich Poschardt. »Und außerdem, ist der nicht Jude? Was hat der in deinem Paradies zu suchen?«

»Na ja, sie sind immerhin mein auserwähltes Volk ...«, wagte Gott einzuwenden, aber das ließ Poschi nicht gelten.

»Monopolbildung, Gott? Darauf willst du deine neue Welt bauen? Außerdem mache ich bei so einer Homonummer nicht mit.«

»Ich würde den Henryk natürlich zur Frau machen«, beschwichtigte Gott. »Eine steile Alte, Poschi. Oder was Junges, das sich nach Erfahrung und Führung sehnt. Du weißt, ich bin allmächtig.«

Poschi schüttelte den Kopf. »You can’t get the M. out of Henryk M.«, schnauzte er. »Das wäre quasi wie ein vergifteter Brunnen, verstehst du, Gott? Er kann noch so geil sprudeln, tief drinnen ist er doch voll Blut und Biodiesel. Wie ein wunderschönes Cabrio mit einem ekelhaften Elektromotor unter der sinnlich geschwungenen Haube.«

»Da ist was Wahres dran«, sinnierte Gott. »Dann muss die Apokalypse wohl ...es sei denn ...es sei denn, du, Poschi, würdest ...«

»Als Frau?«

»Exaktomundo«, schmunzelte Gott.

»Nie und nimmer!«

»Du wärst natürlich nicht irgendeine Frau, Poschi«, raunte Gott wie Marlon Brando und Barry White in Personalunion. »Ich spreche hier von der Beyoncé-Liga. Beine bis zum Arsch, Poschi. Ein sinnliches Nichts von einem Höschenträumchen, das sich wie lauter Chromdampf um deine festen Arschbäckchen schmiegt. Rassige, gebräunte Hammertittchen, Ulf. In meiner neuen Welt wird man dich wieder ›rassig‹ nennen dürfen.«

»Kann ich ...?« Poschi schluckte. »Kann ich ein Bauchnabelpiercing haben, das dann so golden baumelt über der Haut?«

»Gebräunte Haut an deinem Bauch ...«, träumte Gott.

Einen Augenblick lang herrschte Stille auf beiden Seiten der Leitung, indes die Gesprächspartner ihren Gedanken nachhingen.

Poschi räusperte sich als Erster. »Also, so eine Homonummer kommt für mich nicht in Frage ...«

»Natürlich nicht«, bestätigte Gott eilig.

»... also würde ich als echter Freigeist ...«

»... es wäre zum Wohl der gesamten Welt«, sagte Gott so seriös, wie es nur die Entität vermochte, die die Seriosität in die Welt gesetzt hatte.

»Und könnte ich dann vielleicht jetzt schon ... die Apokalypse steht ja sicher schon bald bevor ... ich müsste mich in meine neue Rolle am besten schon heute ...«

»Es kann schon diesen Augenblick losgehen!«

»Hammertittchen?«

»Nippel wie Patronen, Poschi.«

»Rassig, Gott?«

»Wie ein geiler Schokokuss.«

Als das Werk vollbracht war, schmunzelte Gott einen Wimpernschlag der Ewigkeit lang. Beinahe hatte er Mitleid mit der nun Männerträume verkörpernden Poschi. Ein schlimmeres Schicksal war auf der Welt, wie sie die Menschen aus seiner Schöpfung gemacht hatten, kaum vorstellbar. Aber was blieb ihm schon anderes übrig? Bei der Erschaffung der Welt in nur sieben Tagen hatte er sich ziemlich verausgabt und war immer noch nicht wieder ganz bei Kräften. Für mehr als etwas Gender Trouble reichte es dieser Tage kaum mehr, und selbst der funktionierte nur mit dem durch hypnotisches Klimbim induzierten Einverständnis des Opfers.

Besorgt musterte Gott die schneller wirbelnden Wolken über der fiebrigen Welt. Verfluchte Willensfreiheit! Aber so lange noch das goldene Telefon neben seinem Himmelsthron stand, wollte Gott nichts unversucht lassen. Poschi war schließlich nur der kleinste Fisch auf seiner langen Liste gewesen. Der bestirnte Himmel über ihm funkelte mit Myriaden von Gendersternchen, als er die Nummer der »Emma«-Redaktion wählte.

Doch dann ließ er den Hörer sinken. War er nicht eigentlich ein Gott der Barmherzigkeit? Nicht mal die Sache mit Abraham und Isaak hatte er damals durchgezogen. Plötzlich kam er sich wie der letzte Depp vor. Der älteste weiße Mann der Welt. Irgendeinen unbedeutenden deutschen Provinzjournalisten damit zu strafen, dass er ihn zur Frau machte, indem er an dessen niedere Instinkte appellierte wie der letzte miese, kleine Höllenbürokrat - ging es noch überheblicher, sexistischer und blöder? Eine Träne rollte Gott in den Bart, als er mit einem ergebenen Nicken alles rückgängig machte, die Verwandlung, das ganze Telefongespräch, Poschis sämtliche Erinnerungen daran.

Seufzend besah er sich den Planeten. Vielleicht war diese Willensfreiheit doch keine so blöde Idee gewesen. Immerhin hatte die Menschheit so die Chance, doch noch klüger zu werden als ihr beschränkter Schöpfer. Ein Engel kam und nahm ihn in den Arm.

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