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Ein Museum für das Einwanderungsland

Ramona Pop: Bund soll einen Ort für Migrationsgeschichte schaffen

  • Von Nicolas Šustr, New York
  • Lesedauer: 3 Min.
Ranger Douglas Treem spricht zu den Besuchern im ehemaligen Registrierraum auf Ellis Island im Migrationsmuseum von New York. Viele deutsche Einwanderer kamen hier an.
Ranger Douglas Treem spricht zu den Besuchern im ehemaligen Registrierraum auf Ellis Island im Migrationsmuseum von New York. Viele deutsche Einwanderer kamen hier an.

Zwölf Millionen Einwanderer führte von 1892 bis 1954 der Weg in die USA über Ellis Island, ein kleines Inselchen im New Yorker Hafengebiet. Seit der Öffnung 1990 haben Millionen Touristen das Eiland besucht, um mehr über die Geschichte der Migration in die Vereinigten Staaten zu erfahren. In den frei zugänglichen Namenslisten findet sich auch der Nachname Pop. »Das sind allerdings keine Verwandten von mir«, sagt die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bei ihrem Besuch dort am Mittwoch (Ortszeit). Sie ist selber als Grundschulkind 1988 von Rumänien nach Deutschland gekommen.

Die Insel ist für Pop der richtige Ort, um für Berlin ein Migrationsmuseum zu fordern. »Wir sind ein Einwanderungsland haben aber keinen zentralen Debattenort, wo die Vielfalt in unserem Land symbolisch sichtbar wird und wir uns mit den Realitäten unseres Landes auseinandersetzen«, sagt die Senatorin. Dieses Museum könne der Beitrag zu einem »neuen Wir« sein, erklärt Pop. »Gerade in Zeiten von Rechtspopulismus, in denen unsere Werte wie Weltoffenheit, Vielfalt und Freiheit als Bedrohung angegriffen werden, müssen wir verdeutlichen, dass Deutschland immer schon ein von Zu- und Wegzug geprägtes Land war«, ist sie überzeugt.

Natürlich gebe es in Berlin keinen so augenfälligen Ort, der für die Jahrhunderte währende Einwanderung in die Hauptstadt und nach Deutschland stünde. Sichtbare Zeichen sind immer noch Ortsnamen wie Französisch Buchholz und der Französische Dom für die Einwanderung der Hugenotten oder Alt-Rixdorf mit seinem böhmischen Friedhof für die Hussiten. Bezeichnenderweise gibt es in Deutschland vor allem Auswanderungsmuseen, wie in Bremerhaven und Hamburg. Und auch das Gedenken der Opfer der Nationalsozialisten beinhaltet nicht nur die Ermordung von Millionen Menschen, sondern auch die Vertreibung in andere Länder.

Zuletzt hatte der Kölner Verein »Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland« (DOMID) 2015 Pläne für ein Migrationsmuseum vorgestellt. Doch wie bei so einigen anderen Initiativen in dieser Richtung ist es auch um diese öffentlich wieder still geworden.

Migration habe Deutschland entscheidend geprägt, sagt Pop. Und die Bundesrepublik werde auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Migration erleben – und auch angesichts des Fachkräftemangels auch benötigen, lässt sie auch ihr Amt als Wirtschaftssenatorin anklingen.

»Wo, wenn nicht in Berlin muss ein solches Museum angesiedelt werden?«, fragt sie rhetorisch. Gerade in der Hauptstadt würden neue Entwicklungen genauso wie Probleme zuerst sichtbar. Wir führen hier gesellschaftliche Debatten stellvertretend für das ganze Land, so Pop.

Die Zuständigkeit für Finanzierung und Aufbau eines solchen Museums sieht die Senatorin allerdings eindeutig beim Bund. Weder Geld noch ein fertiges Konzept kann sie dafür bieten. »Ich möchte aber wieder eine Debatte dazu anstoßen«, erklärt die Wirtschaftssenatorin.

Der Park Ranger, der die Führung durch das Ellis-Island-Museum erklärt, dass 98,1 Prozent aller Einwanderer, die bis hierhin kamen, letztendlich auch ein neues Leben in den USA beginnen durften. Aber auch, wie die Regeln für Immigranten nach und nach verschärft wurden. Es begann mit einem 1882 erlassenen Einwanderungsverbot für Chinesen, das 1924 erlassene Einwanderungsgesetz benachteiligte unter anderem Italiener und Griechen gegenüber den älteren Immigrantengruppen aus Mittel-, Nord- und Westeuropa. »Vielleicht erkennen sie in dem einen oder anderen Punkt Parallelen zur heutigen Lage in den USA«, sagt der Ranger. »Leider ist es mir nicht gestattet, die aktuelle Politik zu kommentieren«, bedauert er.

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