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Thomas Cook ist pleite

Konkurrenzdruck und der Brexit zwingen die Nummer zwei im europäischen Reisemarkt in die Knie

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 4 Min.

Wer im Flug MT 2643 von Orlando in Florida nach Manchester saß, hatte noch mal Glück. Der britische Sender Sky News zeigte sogar seine Landung in Liveschaltung. Es war der letzte Flug der Thomas Cook Airlines, die zum gleichnamigen Reisekonzern gehört. Thomas Cook gab am Montagmorgen seine Insolvenz bekannt. Rund 600 000 Reisende haben indes weniger Glück als die Passagiere des Fluges MT 2643. Sie sind derzeit mit dem Veranstalter oder einer seiner Tochterunternehmen unterwegs und sitzen in ihrem Urlaub fest.

Darunter sind auch 140 000 Urlauber aus Deutschland, die etwa mit Neckermann, Oeger Tours oder Bucher Reisen im Urlaub sind. Für die deutschen Tochterunternehmen wurde zwar noch kein Insolvenzantrag gestellt. Allerdings ist der Verkauf von jeglichen Reisen vorerst gestoppt. Auch Urlauber, die am Montag oder diesen Dienstag mit den Veranstaltern abfliegen wollten, müssen vorerst mit einem Urlaub auf Balkonien vorlieb nehmen. Einzig bei der Airline Condor, die ebenfalls zu Thomas Cook gehört, geht der Betrieb vorerst weiter wie gehabt.

Noch bis Sonntagabend hatte das Unternehmen mit Investoren erfolglos über zusätzliches Kapital in Höhe von 200 Millionen Pfund (226 Millionen Euro) verhandelt. Auch Großbritanniens umstrittener Premierminister Boris Johnson lehnte eigenen Angaben zufolge eine Bitte um eine Finanzspritze über 150 Millionen Pfund ab: »Das ist natürlich eine Menge Steuergeld und stellt, wie die Menschen anerkennen werden, eine moralische Gefahr für den Fall dar, dass Unternehmen künftig mit solchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden.«

Dafür erhielt Johnson viel Kritik von der Gewerkschaftsseite. »Die Regierung hatte viele Möglichkeiten, Thomas Cook zu helfen, hat sich aber für das ideologische Dogma entschieden, anstatt Tausende Jobs zu retten«, sagte der Chef der britischen Transportgewerkschaft TSSA, Manuel Cortes. Dass Johnson die Gewerkschaftsmitglieder lieber hängenlasse, als Thomas Cook zu retten, sei beschämend und falsch.

Die Nummer zwei im europäischen Reisemarkt ist schon seit einiger Zeit in Schieflage. Im Jahr 2013 kündigte der Reisekonzern, für den weltweit zuletzt noch knapp 21 000 Menschen arbeiteten, etwa in Großbritannien einen massiven Stellenabbau von 2500 Jobs an. Im Mai dieses Jahres musste das Unternehmen für die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von über 1,4 Milliarden Pfund verkünden. Als Grund hierfür nannte Unternehmenschef Peter Fankhauser auch die ungewisse Zukunft bezüglich der laufenden Brexit-Verhandlungen, die dazu geführt hätten, dass die Verbraucher in Großbritannien ihre Urlaubsplanungen auf die lange Bank geschoben hätten.

Doch Thomas Cook ist nicht das einzige Unternehmen in der Reisebranche, dem es nicht gut geht. Besonders den Airlines setzten der Konkurrenzdruck und Dumpingpreise von Billiganbietern zu. Laut Analysten der Deutschen Bank sind die Aktien der europäischen Flugunternehmen seit einem Jahr im Schnitt um 19 Prozent gesunken.

Bei der Airline Condor, die Thomas Cook 2009 vollends von Lufthansa übernahm, verweist man derweil darauf, dass man »seit vielen Jahren profitabel« sei und »jährlich über acht Millionen Gäste zu über 100 Zielen weltweit« bringe. Dennoch hat man - ähnlich wie seinerzeit Air Berlin vor dessen Pleite - bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt, um finanzielle Engpässe zu verhindern. Unterstützung dafür erhält Condor auch von der Flugbegleitergewerkschaft UFO. »Es ist jetzt von entscheidender Bedeutung, dass Kunden und Lieferanten das Vertrauen in die Condor behalten«, erklärte UFO-Vorsitzende Sylvia De la Cruz. Dieses Ziel eint alle Mitarbeiter, die mit großem Engagement dafür sorgten, dass der Flugbetrieb aufrechterhalten wird. Ein gesundes und für sich genommen wirtschaftlich stabiles Unternehmen verdiene eine faire Chance, zu überleben.

Der gewerkschaftspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Pascal Meiser, warnt davor, einen solchen Überbrückungskredit ohne Vorbedingungen zu vergeben: »Wenn Steuergelder fließen, muss verbindlich festgeschrieben werden, dass alle Rechte und Ansprüche der Beschäftigten garantiert und prioritär bedient werden.« Denn bei Air Berlin diente der Überbrückungskredit, so der Vorwurf von linker Seite, hauptsächlich dazu, Zeit zu gewinnen, um noch lukrative Geschäftsteile verkaufen zu können. Insbesondere um die begehrten Start- und Landeslots bei den Flughäfen ging es damals.

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