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Aktivisten blockieren Düngerfirma

Proteste in Brunsbüttel für Umweltschutz

  • Von Marion Bergermann
  • Lesedauer: 2 Min.
Umweltschützer blockieren die Einfahrt der Düngemittelfirma Yara und versuchen, die Produktion zu stören. Die Organisation Free the Soil hatte zum zivilen Ungehorsams gegen eine der größten Stickstoff-Kunstdüngemittelfabriken in Europa aufgerufen.
Umweltschützer blockieren die Einfahrt der Düngemittelfirma Yara und versuchen, die Produktion zu stören. Die Organisation Free the Soil hatte zum zivilen Ungehorsams gegen eine der größten Stickstoff-Kunstdüngemittelfabriken in Europa aufgerufen.

Unter welchen Bedingungen Essen auf unseren Tellern landet, hat viel mit Umweltschäden zu tun. Davon sind die Aktivist*innen der Kampagne »Free the Soil« (»Den Boden befreien«) überzeugt, die am Montagmorgen in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) mehrere Eingänge der Niederlassung des Kunstdüngemittelherstellers Yara blockierten.

Laut Polizei in Itzehoe wurden am Vormittag 15 Personen in Gewahrsam genommen und nach kurzer Zeit freigelassen. Die Beamt*innen gingen von 350 Teilnehmenden aus. Am Montagnachmittag berichtete ein Polizeisprecher dem »nd«, dass die angemeldete Demonstration friedlich verlaufe. Mit der Blockade wollten die Aktivist*innen die Chemikalienproduktion vor Ort stoppen.

Das norwegische Unternehmen Yara ist einer der größten europäischen Kunstdüngerhersteller und hat nach Eigenangaben 17 000 Mitarbeiter*innen. In Brunsbüttel produziert Yara Ammoniak und Harnstoff, die für die Herstellung von Dünger benötigt werden. Um seine Chemikalien herzustellen, verwendet Yara außerdem den fossilen Brennstoff Erdgas. »Free the Soil« wirft ihm vor, »in der Erdgas- und Fracking-Lobby tätig« zu sein, so die Aktivist*innen auf ihrer Homepage. Neben Dünger verkauft Yara unter anderem auch Stoffe wie Ammoniumnitrat, was für die Betäubung vor Operationen oder für Medikamente verwendet wird.

»Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass auch die synthetischen Düngemittel eine große Rolle in der industriellen Landwirtschaft spielen«, sagt Lilli, 25 Jahre alt, während einer Sitzblockade vor dem Haupteingang am Telefon dem »nd«. Lilli schätzt, dass sich etwa 100 Menschen an der Sitzblockade am Haupteingang beteiligten. Die 22-jährige Sara, die ebenfalls an der Blockade teilnimmt, sagte dem »nd«: »Wir sind guter Dinge, dass wir Yara hier blockieren und an dem Ort sind, wo Klimazerstörung produziert wird.« Ihre Nachnamen wollten die Aktivist*innen nicht in der Zeitung stehen haben.

Auf nd-Nachfrage, ob der Kunstdüngerhersteller die Proteste gegen ihn als sinnvoll fürs Klima erachte, teilte Yara-Sprecher Magnus Dahlen mit: »Das Ziel muss sein, ausreichend Lebensmittel für alle Menschen zu produzieren, und das mit möglichst geringen negativen Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt.« Yara habe »in den vergangenen 15 Jahren unsere CO2-Emissionen bei der Herstellung von Düngemitteln bereits halbiert«.

Seit vergangenem Donnerstag hält »Free the Soil« ein rund einwöchiges Protestcamp in Sankt Margarethen unweit von Brunsbüttel ab. Die Organisator*innen hatten im Vorfeld zu Aktionen zivilen Ungehorsams aufgerufen. »Free the Soil« macht unter anderem die Art, wie derzeit Lebensmittel produziert und verteilt werden, für die globale Umweltverschmutzung verantwortlich.

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