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Brennpunktzulage für Kitas kommt

Berlin erhält rund 239 Millionen Euro durch das Gute-Kita-Gesetz der Bundesregierung

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Erzieherinnen und Erzieher, die in Kitas in Berliner Brennpunktkiezen arbeiten, können in Zukunft mit mehr Geld rechnen. Ab August 2021 soll es für die Fachkräfte in diesen Einrichtungen eine Zulage von monatlich 300 Euro geben. Das gab Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag bei der Senatspressekonferenz bekannt.

»Wir stärken Kitas in sozial schwierigen Gebieten, indem wir einen finanziellen Anreiz setzen, dort zu arbeiten«, sagte Scheeres. Von den derzeit rund 30 000 in Berlin beschäftigten Erzieherinnen und Erziehern arbeiten rund 4600 in Brennpunktkiezen. Die finanzielle Zulage will die Bildungssenatorin mit den Geldern der Bundesregierung bezahlen, die Berlin durch das Gute-Kita-Gesetz bekommen soll.

Verteilt auf vier Jahre kann Berlin ab November mit rund 239 Millionen Euro an Bundesmitteln rechnen. Insgesamt stellt der Bund den Ländern bis Ende 2022 rund 5,5 Milliarden Euro für Investitionen in die Kitas zur Verfügung.

»Da die Berliner Kitas schon komplett gebührenfrei sind, können wir die Gute-Kita-Mittel für die weitere Verbesserung der Kita-Qualität nutzen«, sagte die Bildungssenatorin. Eine der wichtigsten Maßnahmen, die Berlin mit dem Bund vereinbart hat, ist die Verbesserung des Kita-Leitungsschlüssels. Ab 85 Kindern soll die Leitung von der unmittelbaren pädagogischen Arbeit in den Gruppen freigestellt werden. Derzeit liegt der Leitungsschlüssel noch bei 90 Kindern. In Kraft treten soll der neue Leitungsschlüssel im nächsten Jahr. Rund 60 Millionen Euro will Scheeres für die Stärkung der Kita-Leitungen bereitstellen. »Eine gute Kita benötigt gute Fachkräfte und gute Arbeitsbedingungen«, sagte die Bildungssenatorin.

Um neue qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher zu gewinnen, will Scheeres den Quereinstieg in den Beruf fördern. Um mehr Fachkräfte aus verwandten Berufsfeldern zu gewinnen, sollen die Träger im ersten Jahr der Tätigkeit zwei Anleitungsstunden mehr pro Woche finanziert bekommen. Für Personen in berufsbegleitenden Ausbildungen soll es ab 2020 zusätzlich zu den bisherigen Anleitungsstunden zudem Vor- und Nachbereitungszeiten geben. Insgesamt 77 Millionen Euro will der Bildungssenat für die Gewinnung und Sicherung qualifizierter Fachkräfte ausgeben.

»Mit den vereinbarten Maßnahmen setzen wir deutliche Schwerpunkte bei den Kita-Fachkräften«, sagte Scheeres. Diese Schwerpunktsetzung ist auch dringend notwendig. Aktuell fehlen in Berlin rund 1500 Erzieherinnen und Erzieher, weswegen vor allem Kitas im innerstädtischen Bereich häufig lange Wartelisten haben und aktuell keine neuen Kinder mehr aufnehmen können. »Wir stehen hier zweifelsohne vor einer großen Herausforderung«, betonte Scheeres.

Einen weiteren Investitionsschwerpunkt setzt die Bildungssenatorin bei der Kindertagespflege. So soll die Vergütung von Tagespflegepersonen ab Januar 2020 analog zum Landesmindestlohn angehoben werden. Auch Vor- und Nachbereitungszeiten sollen als »mittelbare pädagogische Arbeit« zukünftig angerechnet werden können. Im Gespräch sind 45 Euro pro Monat und Kind. Das Geld soll für 2019 rückwirkend ausgeschüttet werden.

Die rund 1600 selbstständigen Tagespflegepersonen dürften das Geld gut gebrauchen können. Im Sommer war nämlich bekannt geworden, dass sie über Jahre hinweg bei der Steuererklärung zu hohe Sozialversicherungspauschalen abgerechnet hatten. Nun werden Steuernachzahlungen fällig. »Für Tagesmütter- und -väter haben wir deutliche Verbesserungen vereinbart«, sagte Scheeres. Durch bessere Löhne und attraktivere Arbeitsbedingungen in der Tagespflege will Scheeres mehr Personen für diese Tätigkeit begeistern. Dadurch, so die Hoffnung, sollen die Kitas in ihrem Platzangebot entlastet werden.

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