Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Zuschlag für »Kantine der Zukunft« vergeben

Verbraucherschutzsenator: Projekt ist wesentlicher Bestandteil der Berliner Ernährungsstrategie

  • Von Elisabeth Voß
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Ausschreibung lief bereits eine Weile, bevor an diesem Montag die Entscheidung bekannt gegeben wurde. Schon im Februar 2019 hatte die Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung im Rahmen eines Konzeptverfahrens eine Förderung für ein Projekt ausgeschrieben, das »zu einer grundlegenden Veränderung in der Gemeinschaftsverpflegung von Schulen, Kindertagesstätten, Justizvollzugsanstalten sowie in jeglicher Form von Betrieben und Behörden in Berlin führen« soll. Dabei sollen der Bio-Anteil im Essen soll erhöht, und verstärkt Produkte aus regionalem Anbau eingesetzt werden. Vorbild ist das Kopenhagener »House of Food«. Hier wird in Großküchen und mit Catering-Unternehmen gezeigt, wie gesundes und nachhaltiges Essen möglichst kostenneutral zubereitet werden kann. Pro Jahr sind 1,2 Millionen Euro im Haushaltsentwurf zur Finanzierung vorgesehen.

An diesem Montag wurde der zukünftige Projektträger öffentlich präsentiert: Den Zuschlag hat die Speiseräume Lab Forschungs- und Beratungsgesellschaft mbH aus Dortmund erhalten, die erst in diesem Jahr gegründet wurde. Der Geschäftsführer des Dortmunder Unternehmens, Philipp Stierand, ist Autor und Blogger zu Ernährungsthemen und hat nach eigenen Angaben eine Fortbildungseinrichtung in der Biobranche geleitet. Die Kantine soll als Pionierprojekt im Haus der Statistik am Alexanderplatz beginnen. Ein dauerhafter Standort wird noch gesucht und muss von der Senatsverwaltung genehmigt werden. Die Frage, ob die Markthalle Neun, mit der Stierand bereits mehrfach zusammengearbeitet hat, an der Speiseräume GmbH beteiligt ist, verneinte der Geschäftsführer. Jedoch sei sie ein möglicher zukünftiger Standort des Projektes.

Von Anwohner*innen wird die Markthalle Neun wegen ihrer Ausrichtung auf Gutverdienende und Tourist*innen kritisiert. Aktuell gibt es Streit um den Aldi-Supermarkt in der Markthalle, dem gekündigt wurde. Eine Begründung war, dass in der Halle ein Neubau für einen Drogeriemarkt und das »House of Food« - abgekürzt als »HoF« - errichtet werden solle.

Der Name »Kantine Zukunft Berlin« - für den bereits ein Logo erstellt und markenrechtlich gesichert wurde - ist nicht abkürzbar, ohne Erschrecken hervorzurufen. Auf die Frage, wer sich den ausgedacht hat, und warum das nicht bedacht wurde, entgegnete für die Senatsverwaltung die Abteilungsleiterin für Verbraucherschutz, Claudia Schmid, dass eine Agentur Namen vorgeschlagen habe. Man sei sich des Problems bewusst gewesen, habe sich jedoch trotzdem für diesen Namen entschieden, weil es doch ein zukunftsweisendes Projekt sein solle.

»Die ›Kantine Zukunft Berlin‹ ist ein wesentlicher Teil der Berliner Ernährungsstrategie«, betonte Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt (Grüne). Er verkündete: »Sie sehen einen glücklichen Senator.«

Bereits im Frühjahr 2016 hatte sich der »Ernährungsrat Berlin« gegründet, der sich als Bündnis von Akteuren im Sinne der Ernährungssouveränität »für die ökologisch nachhaltige, sozial gerechte Nahrungsproduktion und -verteilung im Raum Berlin« einsetzt. Auch der Ernährungsrat hatte sich für das Projekt beworben und als Standort einen Gebäudetrakt im Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof mit fünf vorhandenen Küchen und weiteren Räumen vorgeschlagen. Gegenüber anderen Bewerbern rief er nicht zur Konkurrenz, sondern zur Partnerschaft auf. Obwohl die Bewerbung des Ernährungsrates von einigen Organisationen und Unternehmen unterstützt wurde, schied er gleich zu Beginn aus dem Verfahren aus.

Frank Nadler vom Sprecher*innenkreis des Berliner Ernährungsrates bedauert die Vergabe an einen privaten Träger: »Der Ernährungsrat Berlin hätte den Betrieb über eine landeseigene Institution bevorzugt. Das gesammelte Wissen würde dann langfristig der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.«

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln