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Eine bewaffnete Familie

202 Anwärter beginnen ihre Ausbildung an der Hochschule der Polizei in Oranienburg

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

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Polizei in Brandenburg: Eine bewaffnete Familie

Fast 2900 Bewerber gab es. In einem strengen Auswahlverfahren haben sich 202 junge Männer und Frauen durchgesetzt. 128 von ihnen beginnen jetzt ein dreijähriges Studium an der brandenburgischen Hochschule der Polizei in Oranienburg, die übrigen eine zweieinhalbjährige Ausbildung.

Bei der feierlichen Übergabe der Urkunden in der Sporthalle auf dem Campus sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Dienstagmittag dazu schon einmal: »Herzlichen Glückwunsch.« Es wird nun aber nicht einfacher für die Polizeischüler und die Studenten. Denn in der Regel schaffen 15 Prozent von ihnen den Abschluss nicht. Aber wenn sie ihn schaffen, dann gehören sie einer »besonderen Familie« an. Diese Familie sei groß und bewaffnet, formulierte Schröter etwas ungeschickt, da die Familie in der Mafia eine beschönigende Bezeichnung für eine Bande von Kriminellen ist. Doch die Polizeianwärter sollen sich selbstverständlich nicht den geringsten Verstoß gegen die Rechtsordnung zu Schulden kommen lassen. Minister Schröter ärgert sich immer sehr, wenn er in den Nachrichten liest, dass die Polizei gegen eine nächtliche Ruhestörung einschreiten musste, weil Polizeischüler »beim Feiern über die Stränge geschlagen haben«. Er ermahnte die vor ihm sitzenden jungen Menschen: »Die Kollegen sollen überall hinfahren, aber nicht zu Ihnen. Sie sollen Vorbild sein.«

Immerhin genießt die Polizei bei der Bevölkerung ein hohes Ansehen, ein höheres beispielsweise als Politiker, wie der Innenminister halb ernst, halb selbstironisch in Erinnerung rief. Er versprach den angehenden Polizisten sichere Arbeitsplätze. »Sie kommen keinen Tag zu früh, wenn sie ihre Dienststellen erreichen.« Denn da in den kommenden Jahren sehr viele Polizisten in den Ruhestand treten werden, benötigt das Bundesland dringend reichlich Nachwuchs. Außerdem haben sich SPD, CDU und Grüne schon vor Beginn der laufenden Koalitionsverhandlungen darauf verständigt, dass die Zahl der Stellen bei der Polizei um 300 auf 8500 steigen soll.

Es lernen gegenwärtig 1150 junge Männer und Frauen an der Hochschule der Polizei in Oranienburg. Das sind so viele wie noch niemals zuvor.

Zum Festakt, zu dem Angehörige der Anwärter herbeiströmten, spielte das Landespolizeiorchester Musik aus dem Film »Der Herr der sieben Meere« von 1940. Es ist ein Piratenfilm, angelehnt an die Biografie des echten Freibeuters Francis Drake, gedreht in den Studios in Hollywood. Warum diese Melodie zu diesem Anlass? Hochschulpräsident Rainer Grieger hat darüber nachgedacht. Er sprach im Zusammenhang mit dem komplizierten Lehrstoff von Bugwellen und auch von Wellen, die über den Schülern und Studenten zusammenschlagen könnten. Er sagte weiterhin, dass die jungen Leute ihr Verhalten und ihre Haltung an die ihnen bevorstehende Aufgabe anpassen müssen. Nicht immer würden Polizisten die Pistole, den Schlagstock oder die Handfessel verwenden, sondern in der Regel als Waffe das Wort einsetzen.

1940, als in den USA »Der Herr der sieben Meere« in die Kinos kam, tobte in Europa schon der Zweite Weltkrieg, in den die Vereinigten Staaten damals noch nicht hineingezogen waren. Doch das Gelände der Polizeihochschule in Oranienburg war seinerzeit Truppenlager der SS, und nebenan befanden sich das KZ Sachsenhausen und die Inspektion der Konzentrationslager. Auch verübten Polizeibataillone Kriegsverbrechen. Das lernen die Polizeianwärter in Oranienburg. Es gibt dafür sogar extra ein Fach Polizeigeschichte, und bereits in den ersten Tagen der Ausbildung gibt es immer einen Rundgang in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Im Wissen um den verhängnisvollen Gehorsam von einst will die Hochschule die künftigen Polizisten »zu engagierten Demokraten erziehen«, wie Schröter extra betonte.

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