Massenexodus der Bewohner

Wohin Verdrängung in Metropolen führt, kann man in der portugiesischen Hauptstadt sehen.

  • Von Yannic Walther, Lissabon
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.
Antikapitalistisches Graffito an einer Lissabonner Hauswand: Durch die Finanzkrise wurde die Verdrängung von alteingesessenen Bewohnern weiter verschärft.

Mit der Finanzkrise hat alles angefangen. Pedro Passos Coelho, damaliger konservativer Premierminister von Portugal, räumt 2011 gegenüber seinen Bürgern ein: »Wir werden die Krise nur überwinden, wenn wir ärmer werden.« Der portugiesische Staat kommt mit der Troika überein. Fast 80 Milliarden Euro an Finanzhilfen fließen in das Land. Im Gegenzug muss sich Portugal liberalisieren. Eine prominente Rolle hat dabei der Wohnungsmarkt eingenommen, meint Luís Mendes. Der Geograf, der sich an der Universität Lissabon mit der Entwicklung der Hauptstadt beschäftigt, konstatiert: »Die Finanzkrise und die anschließende nationale Sparpolitik markieren den neoliberalen Wendepunkt in der Stadtpolitik.«

Die Regierung senkt 2012 die Hürden zur Kündigung von Mietverträgen. Geplante Renovierungen reichen nunmehr aus, um Mieter nach einem Jahr auf die Straße zu setzen. Gleichzeitig werden einjährige Kurzmietverträge etabliert. Die Preise steigen. Am ...

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