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Aktivisten blockieren Zuweg zum Kohlekraftwerk Moorburg

Klimaschützer organisieren Proteste in Hamburg, Dortmund und Bremen - sie wollen Entschädigung für Kohlearbeiter und Kolonialismusopfer

  • Von Moritz Wichmann und Vanessa Fischer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auch zu Wasser gab es Protest gegen Kohlestrom
Auch zu Wasser gab es Protest gegen Kohlestrom

Es war kalt und grau am Freitagmittag auf der Kattwykbrücke. Etwas Farbe in die Tristesse des herbstlichen Hamburger Hafens brachten dagegen die rund 100 Aktivisten, die zeitweise die Brücke nahe des Kohlekraftwerk Moorburg blockierten. Mit der Sitzblockade wollten die Umweltschützer die Lieferung von Steinkohle in das Kohlekraftwerk verhindern. Zusätzlich seilten sich vier Aktivisten von der Brücke ab. »Der Kapitalismus tötet das Klima« stand auf ihrem Transparent. Zu Wasser protestierten weitere Aktivsten nahe der Brücke in Booten.

Aufgerufen zur Aktion hatte das Protestbündnis »deCOALonize Europe«. Es will durch vielfältige und bunte Aktionen die globalen Lieferketten der Steinkohle sichtbar machen – vom Bergbau bis zur Verbrennung. »deCOALonize Europe« fordert den sofortigen Importstopp von Steinkohle aus Kolumbien, Russland, Südafrika, Australien und den USA, wo sie meist unter menschenunwürdigen Bedingungen und mit großer Umweltzerstörung abgebaut wird, so das Aktionsbündnis.

80 Prozent des Hamburger Stroms würden durch Steinkohle erzeugt, kritisierten Aktivsten auf einem Banner. Sie fordern einen sofortigen Kohleausstieg in Hamburg und Deutschland und Entschädigung für die betroffenen Beschäftigten in den Bergbauregionen – in Deutschland und auch in anderen Ländern wie Kolumbien, Russland oder den USA. Das machten Solidariätserklärungen deutlich.

Nach einiger Zeit begannen Beamte der Hamburger Polizei dann die Räumung der Sitzblockade auf der Kattwykbrücke. Dabei wurde laut Beobachtern vor Ort offenbar auch Schmerzgriffe eingesetzt. Das sei eine »unnötige Gewaltanwendung« von Seiten der Polizei kritisierte das Bündnis »deCOALonize Europe« auf Twitter. »Unfassbar, warum tragt ihr die Menschen nicht einfach weg«, schrieben die empörten Aktivisten. Die Hamburger Polizei hatte schon bei der Räumung einer Blockade von Klimaaktivisten auf der Lombardsbrücke in der Hamburger Innenstadt, die im Umfeld des globalen Klimastreik am 20. September stattfand, scheinbar unverhältnismäßige Schmerzgriffe verwendet.

Zuvor hatte es eine Fahrraddemonstration in Richtung des Kohlekraftwerks Moorburg gegeben, die von Fridays For Future Hamburg und dem BUND organisiert wurde. Das Kraftwerk war erst am 28. Februar 2015 vollständig in Betrieb genommen worden. Bereits im Juni 2013 war es in Kritik geraten, nachdem bei einem Testlauf eine dunkle, stinkende Wolke über Moorburg hinweg gezogen war. Einige Anwohner hatten damals über Kopfschmerzen, Atemnot und Übelkeit geklagt.

Auch in anderen deutschen Städten gab es Aktionen. In Dortmund hatte die »Klimavernetzung Ruhr« zur Fahrrad-Demo aufgerufen. Trotz Regen radelten Klimaschützer dort seit 13 Uhr vom Stadtzentrum nach Datteln. Nur knapp 20 Kilometer von der Innenstadt entfernt wird dort seit Jahren an einem neuen Steinkohlekraftwerk gebaut. »Wir fahren zum Ort des Geschehens und erklären uns solidarisch mit den Menschen in den Abbauregionen. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen für den schnellen Ausstieg aus Import und Verbrennung von Steinkohle«, heißt es auf den Seiten des Aktionsbündnisses. Auch hier haben Aktivisten auf dem Wasser protestiert. Sie blockierten den Hafen bei Lünen.

Für Samstag kündigte das Bündnis auch Aktionen in Bremen an. Die Geschichte der Stadt, sei »eine der kolonialen Ausbeutung«, so die Aktivisten. »Während hier Gruppen dafür kämpfen, koloniale Spuren und Kontinuitäten aufzuarbeiten, geht Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen und Umwelt weiter.« Treffpunkt für den Protest ist um 11 Uhr am Antikolonialdenkmal hinter dem Hauptbahnhof.

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