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Aus der Heimat abgeschoben

Gylten Tahiri und ihre Schwester wurde nach Serbien abgeschoben - nach Jahrzehnten in Deutschland

  • Von Lotte Laloire
  • Lesedauer: 2 Min.

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Gylten (links) und Gylije Tahiri
Gylten (links) und Gylije Tahiri

Gylten Tahiri steht vor Müllcontainern, irgendwo in Belgrad. »Wir wurden von Deutschland abgeschoben in ein fremdes Land«, sagt sie in die Kamera. »Wir können diese Sprache nicht, wir wissen nicht wohin, wir haben kein Geld«, fasst sie ihre Situation zusammen. Dann kommen ihr die Tränen. Neben ihr zu sehen ist ihre Schwester Gylije. Ihren Hilferuf per Video hat das Antirassistische Netzwerk Baden-Württemberg am Sonntagabend veröffentlicht.

Die Frauen waren am 27. September nach Serbien abgeschoben worden. Schon 20 Jahre lang hatten die 21- und 23-jährigen Frauen in der süddeutschen Stadt Tuttlingen gelebt. Also fast ihr gesamtes Leben, aus dem sie entgegen einer Vorschrift des Polizeigesetzes mitten in der Nacht um 3:34 Uhr herausgerissen wurden. Die beiden Romnja hatten Arbeit und Familie, erfüllten also wichtige Kriterien für »Integration«. Nur einen Aufenthaltstitel haben sie nie erhalten.

Der Asylantrag nach ihrer Flucht aus Kosovo im Jahr 1999 war abgelehnt worden, seitdem wurden sie lediglich geduldet. »Ausreisepflichtig« nennen das Vertreter der zuständigen Behörden auf Nachfrage von »nd« lieber und wiederholen dieses Wort so oft, so mechanisch und so empathielos, als wären sie Chat-Bots, nicht Menschen.

In dem Video, das schon Tausende Menschen angesehen haben, wischt sich Gylten die Tränen aus dem Gesicht und sagt: »Wir können uns mit niemandem verständigen, niemand will uns helfen.« Sie hätten in Serbien keine Adresse und keine Papiere, ihnen drohe Haft oder Obdachlosigkeit, heißt es auf aktionbleiberecht.de.

Einen »brutalen Schicksalsschlag« und »falsche Abschiebepolitik!« nennt der Ko-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Lede Abal, den Fall gegenüber »nd« und kritisiert die Prioritäten des CDU-geführten Innenministeriums. Wenn seine Partei etwas gegen diese »Schicksale« tun möchte, sollte sie jetzt Druck auf die CDU machen, damit die Forderung des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg umgesetzt wird: »Sammelabschiebungen in die Westbalkanländer generell beenden«.

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