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Eine Generation weiter gedacht

Stephan Fischer über Erinnern nach 30 Jahren

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 2 Min.

30 Jahre nach dem Herbst 1989 sind Erinnerungen an und Reflexionen über diese dramatischen Tage in Ostdeutschland nicht zu übersehen und zu überhören. Ausstellungen allerorten, Filme und Interviews in Radio und Fernsehen. Eine liegt buchstäblich zu Füßen, Tausende gehen täglich über sie hinweg. In der Prager Straße in Dresden eingelassen sind die Namen der »Gruppe der 20« vom 8. Oktober 1989 - als es von der Volkspolizei keine Gewalt oder Festnahmen gegen eingekesselte Demonstranten gab.

Am selben Ort war es vier Tage vorher zu heftigsten Auseinandersetzungen und Festnahmen gekommen, als viele versuchten, die Botschaftszüge aus Prag am Hauptbahnhof zu erreichen. Die Verhafteten berichteten von Misshandlungen, auch noch jene vom 7. Oktober in Berlin. Und doch waren die Demonstrationen durch Gewalt nicht mehr aufzuhalten - auch weil sie gewaltfrei abliefen. Wie am 9. Oktober in Leipzig. Eine gewaltlose Revolution - sie war dann möglich, weil sich die Beteiligten auf beiden Seiten auf sie einließen. Weil sie am Ende Gewaltlosigkeit über Macht stellten.

1989 - je weiter das Jahr wegrückt, desto verblasster oder gefärbter werden Erinnerungen. Eine Erzählung, die »Kindern und Enkeln der Wende« gerne erzählt werden darf, ist die von der Regierung, die sich die Macht friedlich aus der Hand nehmen ließ. Ohne eine »chinesische Lösung«. Und ohne einen Prager August 1968 auf Dresdens Prager Straße im Oktober 1989.

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