Weg von dem Gebrüll

Jetzt muss ich raus aus dem Elternhaus: »Runaway« von HP Daniels erzählt vom Aufbegehren in den späten 60er-Jahren

  • Von Matthias Reichelt
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.
»Wir saßen wieder da, verdammt!« – wie hier in der sogenannten guten Stube vor der Glotze 1960.

Bis weit in der 1960er-Jahre hinein war die BRD vom Wirtschaftswunderrausch geprägt. Allein die Frankfurter Auschwitz-Prozesse störten die Atmosphäre der Geschichtsvergessenheit und Schuldabwehr.

In den Schulen paukten alte Lehrer mit Schmissen im Gesicht noch munter die sogenannten alten Werte. Die ungebrochen patriarchal beherrschten Familien waren ein Hort von konformistischer Biederkeit, oft geprägt vom Terror ständiger Verbote und Prügelstrafen. Überlebenswichtig für Jugendliche wurde die Musik und Literatur aus dem englischsprachigen Ausland. Mit den Beatles, Kinks, Rolling Stones, Bob Dylan und Jack Kerouac in Kopf und Herz konnte man sich davon träumen, an imaginäre Orte voller anarchischer Freiheit.

In HP Daniels Roman-Debüt »Runaway« versuchen zwei Siebzehnjährige diese Träume wahr werden zu lassen. Petty und Riemschneider hauen von Zuhause ab, im Frühjahr 1968. Eines Tages gehen sie nicht in die Schule, sondern sch...

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