Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Hadern mit der Touristifizierung

Friedrichshainer Anwohnerinitiative beklagt fehlende Auseinandersetzung mit den Problemen

Karola Vogel, eine Sprecherin der Friedrichshainer Anwohnerinitiative »Die Anrainer«, war erstaunt. Die Senatsinnenverwaltung hatte die Aktivisten, die seit Jahren die Probleme thematisieren, die sich aus der Touristifizierung der Gegend rund um die Simon-Dach-Straße, aufgefordert, eine Publikation von deren Homepage zu nehmen. »Gewalt und Gewaltprävention in einem Ausgehviertel - RAW-Gelände/Warschauer Brücke im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg« lautet der Titel der Broschüre, in der auch eine im Juni 2018 stattgefundene Podiumsdiskussion zum neuen Tourismuskonzept des Senats auszugsweise dokumentiert worden ist.

Auf den Internetseiten der Innenverwaltung ist die Studie nach wie vor zu finden, allerdings in einer Neufassung. Die Beiträge der Tourismusexpertin Ilse Helbrecht, einer Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, fehlten ganz. Sie hatte laut Broschüre dem Senat ein »organisiertes Wegschauen« bei den sich aus den Touristenströmen ergebenden Problemen attestiert. Eine Aussage, die sich auch in der damaligen Berichterstattung des »nd« über die Veranstaltung wiederfand. »Das Niveau der Verwaltung ist erschütternd bei dem Problem«, soll sie auch noch gesagt haben. Änderungen gab es in der Neufassung auch bei den dem Chef der Tourismusmarketingorganisation visitBerlin zugeschriebenen Aussagen.

»Im Anschluss an die Erstveröffentlichung der Studie haben Professorin Helbrecht und Herr Kieker Einwände vorgetragen. Sie haben sich in den genannten Passagen nicht zutreffend wiedergegeben gesehen«, erklärt ein Sprecher der Innenverwaltung die Änderungen auf nd-Anfrage.

»Es macht eher den Eindruck auf mich, dass versucht wird, die Probleme nicht öffentlich zu diskutieren oder darzustellen, in der Hoffnung, dass sie dann einfach nicht existieren«, sagt Vogel.

Von dem neuen Tourismuskonzept, das Verbesserungen für Anwohner von besonders belasteten Gegenden bringen soll, ist bei ihr bisher spürbar nichts angekommen. Zum Beispiel soll die Berliner Stadtreinigung die Pflege und Reinigung von besonders bei Touristen beliebten Grünanlagen oder auch Spielplätzen übernehmen. »Weder am Boxhagener Platz noch an dem auch besonders nachts beliebten Spielplatz an der Ecke Simon-Dach- und Wühlischstraße ist das geschehen«, sagt sie. Aus ihrer Sicht hätte das wenigstens ein kleines Zeichen an die direkte Anwohnerschaft sein können. »Aus unserer Sicht gibt es im Tourismuskonzept wenig Inhalte, die die Anwohnerperspektive auch in konkreten Maßnahmen abbilden«, so die Aktivistin. Schon in der Erarbeitungsphase hatten Initiativen beklagt, nicht richtig eingebunden worden zu sein.

Im Tourismuskonzept ist auch die Einrichtung von Bürgerbeiräten in besonders belasteten Kiezen vorgesehen, wobei die konkrete Ausgestaltung offenbleibt. Einzig in Neukölln habe sich die Bezirksverordnetenversammlung bereits mit der Einrichtung befasst, wobei sie dort auch noch nicht endgültig beschlossen sei, so Vogel. »Mit dieser Trägheit befördert man, dass die Anwohner touristenfeindlich werden«, erklärt sie. »Was bleibt einem übrig, anderes zu tun, wenn es einfach ignoriert wird?«, will Vogel wissen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln