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Mietendeckel von privat

Union-Berlin-Retter Michael Kölmel kauft Friedrichshainer Wohnhaus

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Mieter des Strausberger Platzes 12 mit ihrem neuen Hauseigentümer Michael Kölmel (Mitte hinten).
Die Mieter des Strausberger Platzes 12 mit ihrem neuen Hauseigentümer Michael Kölmel (Mitte hinten).

»Mit dem Haus habe ich nun die Möglichkeit, meinen privaten Mietendeckel einzuführen«, sagt Michael Kölmel. Seit 30. September ist er Eigentümer des Hauses Strausberger Platz 12 in Berlin-Friedrichshain. Für einen Preis, den er nicht nennen möchte, der aber um sechs Millionen Euro liegen dürfte, gehören ihm nun 21 Eigentumswohnungen und die Herzen der Mieter. Denn Kölmel verspricht: »Für fünf Jahre werde ich die Kaltmieten überhaupt nicht erhöhen.« Und Kündigungen will er für mindestens zehn Jahre nicht aussprechen. »Ab einem bestimmten Alter sollen Mieter überhaupt nicht mehr gekündigt werden dürfen«, so Kölmel weiter.

Wie es genau weitergehen soll, auch auf längere Sicht, hat er sich gar nicht so genau überlegt, der Kauf war nach seiner Aussage sehr spontan. Er will aber dauerhaft der »Investor mit Herz« bleiben. So einen hatten die Mieter nämlich im Juli gesucht, auch über »neues deutschland«. Sie hatten Angst vor Mieterhöhungen und Eigenbedarfskündigungen in dem lange schon in Eigentum aufgeteilten Haus. Landeseigene Wohnungsbaugesellschaften hatten wegen des hohen Kaufpreises schnell abgewunken. Denn immobilienwirtschaftlich gerechnet würde eine Kaltmiete irgendwo um die 20 Euro pro Quadratmeter herauskommen.

Das droht nun vorerst nicht, und die auf den Rollstuhl angewiesene Frührentnerin Sylvia Dornbusch muss sich erst mal keine Sorgen machen, mehr als die derzeit 584 Euro Warmmiete für die 62-Quadratmeter-Wohnung zu zahlen, in der sie lebt.

Ein Satz habe Michael Kölmel ihr gleich sympathisch gemacht, berichtet Nachbarin Yvonne Sonnet: »Freunde von ihm hätten ihm erzählt: ›Du hast einen Schuss‹«. Denn als die Mieter den Plan ausheckten, öffentlich nach einem Investoren zu suchen, hätten ihnen auch viele einen Vogel gezeigt. Sie sieht Parallelen zwischen der Hausgemeinschaft und dem neuen Eigentümer: »Wir machen einfach.«

Ganz blauäugig ist Kölmel nicht an die Sache herangegangen. »Mit mehr Zeit hätte man den Preis auch runterhandeln können«, ist er überzeugt. »Aber das wäre auf das Nervenkostüm der Mieter gegangen.« Sonnet, die zusammen mit ihrer 13-jährigen Tochter im Haus lebt, stimmt zu. »Ich musste wildfremde Leute für die Besichtigungen durch meine Wohnung gehen lassen«, berichtet sie. »Irgendwann wird deine eigene Wohnung zu einer Ware«, so ihr Gefühl. Wenn dieser Zustand länger anhält, würde man versuchen, umzuziehen. »Aber ich finde doch hier in der Gegend überhaupt nichts anderes«, so Sonnet.

»Klar bin ich für einen Mietendeckel«, antwortet Kölmel auf die Frage. »Wieso soll sich eine Immobilie immer mehr rentieren?«, will er wissen. Er könne es gut verstehen, dass die Politik einen Deckel draufmacht. Er wundere sich allerdings schon, wie so eine Not überhaupt entstehen kann.

Kölmel ist in Immobilienfragen nicht ganz unbeschlagen, ihm gehören neben dem Verlag Zweitausendeins und dem Filmverleih Weltkino auch Kinogebäude, in Berlin das Filmtheater am Friedrichshain. In seinem Wohnort Leipzig hatte er das Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gebaut. Über den Fußballverein RB Leipzig könne man diskutieren, nach dem Motto: alles Kommerz, räumt er ein. »Ich finde auch nicht alles schön, aber der Stadt hat es wirklich etwas gebracht.« Richtig stolz ist er darauf, vor 21 Jahren den 1. FC Union Berlin entschuldet zu haben. »Heute ist es ein Verein mit Herz, der vor ausverkauften Rängen in der Fußball-Bundesliga spielt«, freut er sich.

Als Mieterretter will er auch nicht alleine bleiben. Er hat die Internetseite www.investormitherz.de eingerichtet. »Ich suche Nachahmer. Ich bin überzeugt, dass ich kein Einzelfall bin«, so Kölmel. Die Häuser dürften allerdings nicht auf Kredit gekauft werden, um im Zweifelsfall nicht von Banken abhängig zu sein.

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