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Anzeige gegen Professor der HU erstattet

Der Geschichtsprofessor Jörg Baberowski soll zwei studentische Vertreterinnen beleidigt haben. Sie legten Dienstaufsichtsbeschwerde ein.

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.

Als »dumm« und »linksextreme Fanatiker« soll Jörg Baberowski die beiden Sprecherinnen der Studierendenvertretung an der Humboldt-Universität (HU), RefRat, Juliane Ziegler und Bafta Sarbo, bezeichnet haben. Der angebliche Anlass: Die Student*innen hatten in einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt, warum sie sich im Akademischen Senat (AS) der HU gegen ein von Baberowski geplantes Interdisziplinäres Zentrum für vergleichende Diktaturforschung ausgesprochen hatten. Sie werfen Baberowski »fehlende Distanz zu Rechtsradikalen« vor und bezweifeln, so heißt es in einer Mitteilung des RefRats, »dass sich Baberowskis wissenschaftliche und politische Ausrichtung mit den Prinzipien der HU hinsichtlich Antidiskriminierung und Diversität« deckten. Auf das Interview hin, dass bereits am 19. August ausgestrahlt wurde, habe Baberowski in einem Facebook-Post besagte Beleidigungen veröffentlicht, hieß es.

»Auf unsere umgehend gestellte Strafanzeige gab leider es keine Reaktion«, sagt Juliane Ziegler gegenüber »nd«. Deshalb habe man sich jetzt entschieden, eine Dienstaufsichtsbeschwerde hinterherzuschieben.

Auf nd-Anfrage erklärte Jörg Baberowski am Montag zu den Vorwürfen: »Frau Sarbo hat am 2. September 2019 auf Twitter einen Tweet als ›sehr gut‹ bezeichnet, der lautete: ›Wir sagen natürlich, die Springer-Journalisten sind Schweine, wir sagen, der Typ an der Tastatur ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen … und natürlich kann geschossen werden.‹ Deswegen wird nun vom Staatsschutz gegen sie ermittelt. Sie ist also nicht nur keine Demokratin, sie hat auch ein gestörtes Verhältnis zur Presse- und Meinungsfreiheit. Sie scheint offenbar auch nicht zu begreifen, dass Äußerungen dieser Art als ›unfassbar dumm‹ und ›linksextremistisch‹ bewertet werden müssen. Sie selbst liefert fast jeden Tag neues Beweismaterial für diese Einschätzung.« Außerdem, so der Professor, der auf einem vollständigen Abdruck seiner Antwort besteht, seien seine Äußerungen von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Der RefRat sieht das anders: »In seiner Rolle als Professor und Angehöriger der Universität hat Herr Baberowski damit die Ebene der sachlich-politischen Auseinandersetzung verlassen. Wir fordern eine öffentliche Entschuldigung von Baberowski und eine Distanzierung der Universität von solchen Aussagen gegenüber ihren Gremienvertreter_innen«, erklärte João Fidalgo, der Referent für Finanzen im RefRat.

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