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Kritisch orientiert ins Semester

An den Hochschulen beginnt die Vorlesungszeit / Berlin als Universitätsstandort bleibt weiter sehr beliebt

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.

An der Freien Universität (FU) in Berlin beginnt das neue Wintersemester mit den »Kritischen Orientierungswochen«, genannt »Korfu«. Die Einführungsveranstaltungen laufen noch bis zum 20. Oktober. Dabei bietet der Allgemeine Studierendenausschuss der FU, AStA, ein flächenübergreifendes Angebot an gesellschaftskritischen Veranstaltungen an. Zudem gibt es subversive Workshops, abendliche Kiezspaziergänge und Kneipenabende. »Ziel ist es, neuen Studierenden das Ankommen an der FU zu erleichtern und eine Vernetzung mit anderen Studierenden und linken Uni-Gruppen zu ermöglichen«, heißt es auf der Internetseite der Studierendenvertretung. Der AStA will den neuen Studenten auch kritische Perspektiven auf Forschung und Wissenschaft liefern, die bei den üblichen Einführungsveranstaltungen meistens unter den Tisch fallen.

Auch an den anderen Universitäten der Hauptstadt begann am Montag die neue Vorlesungszeit. Insgesamt werden ersten Hochrechnungen der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung zufolge im Wintersemester 2019/2020 an den elf staatlichen, zwei konfessionellen und 28 privaten Hochschulen in Berlin insgesamt bis zu 195 000 Studentinnen und Studenten eingeschrieben sein. Rund 37 000 von ihnen nehmen ein neues Studium an den staatlichen Hochschulen auf. Damit bleibt die Zahl der Studierenden weiter auf einem hohen Niveau. Im Vorjahr gab es 192 000 Studierende. Zum Vergleich: Im Jahr des Mauerfalls studierten in Berlin im West- und Ostteil der Stadt insgesamt 133 000 Personen, inzwischen sind es also 60 000 mehr als zu der damaligen Zeit.

Für den rot-rot-grünen Senat ist die hohe Zahl der Studierenden, auch aus dem Ausland, Teil der Erfolgsgeschichte Berlins als Wissenschaftsmetropole. »Berlin hat sich dank der Wiedervereinigung in den vergangenen drei Jahrzehnten zum größten Wissenschaftsstandort in Deutschland entwickelt und gehört heute zu den weltweit beliebtesten Orten für Studierende«, erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller zum Semesterstart. Der SPD-Politiker verantwortet seit Beginn der Legislatur im Senat auch den Wissenschafts- und Forschungsbereich. Den neuen Studierenden, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie den Beschäftigten an den Hochschulen wünschte Müller am Montag in einer Pressemitteilung ein gutes und erfolgreiches Wintersemester. Der Regierende Bürgermeister kündigte darüber hinaus an, die Investitionen in Lehre, Forschung und Infrastruktur konsequent fortzusetzen: »Denn die Studierenden von heute sind die Absolventinnen und Absolventen von morgen, die wir dringend für unsere Schulen, Krankenhäuser, Verwaltungen, Unternehmen und Kultureinrichtungen benötigen.«

Während sich die Jobperspektiven in Berlin in den vergangenen Jahren tatsächlich deutlich verbessert haben dürften, sieht es für die Lebensbedingungen bei Weitem nicht so rosig aus. Nach einer aktuellen Datenauswertung von rbb24, die auf der Auswertung von Angeboten des Onlineportals »wg-gesucht.de« beruht, müssen junge Studentinnen und Studenten in Berlin inzwischen im Durchschnitt etwa 500 Euro pro Monat für ein Zimmer zahlen, dabei sind einige der Zimmer gerade einmal zehn Quadratmeter groß. Und die hohen Mieten stehen in krassem Gegensatz zum geringen Einkommen der Studierenden.

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